Habe ich je ein zarteres Rosa gesehen? Ein grüneres Grün? Und dieses Weiß, das die anderen Farben noch intensiver leuchten lässt. Ich glaube nicht! Ich lese auf einem Schild:

„Ob seltene Pflanze – seltenes Tier, ob kühler Quell – ob Felsgestein in stiller Schönheit zeigt sich hier die Vielfalt und Urkraft der Natur allein.“

Auch mein Blick nach links und rechts verdeutlicht mir, ich befinde mich in einem Areal unberührter Natur.

Ich bin entzückt.

Entzückt war sicher auch der Oberlehrer Ludwig Müller. Vor 82 Jahren war er es, der als Erster bei einer Kräuterwanderung hier die Orchideen erblickte. Schon damals zählten die Orchideen durch ihre Seltenheit und wegen ihrem Formenreichtum zu den kostbarsten Pflanzen – bis heute.

Breitblättriges Wollgras und wilde Esparsette

Das Breitblättriges Wollgras

Das breitblättrige Wollgras gehört zu den Sauergräsern und kommt nur an feuchten Standorten vor. Sie ist ca. 60 Zentimeter hoch. Der weiße Wollschopf besteht aus langen Blütenhüllfäden. Die Pflanze wurde früher in Notzeiten als Baumwollersatz verwendet. Schön zu bewundern, gerade auch wenn der Wind weht und die weißen Blütenhüllfäden mitschwingen.

Die Wilde Esparsette

Mein Auge erblickt die wilde Esparsette, rosafarbene Blüten mit purpuren Adern, eine ideale Wildblume für die Hummeln und Bienen. Sie wurzelt bis zu 4 Meter tief und kann auch an sehr trockenen Standorten überleben. Sie stammt ursprünglich aus Südosteuropa und enthält sehr viele Tannine (Gerbstoffe). Aus diesem Grund wird die Esparsette heute auch Gesundheitsheu genannt.

Ich schließe die Augen, atme tief ein und inhaliere den Duft der Blüten. Kein Parfum dieser Welt kann diesen Duft toppen.

Blumen stellen Fallen

Die Pyramiden-Hundswurz

Obwohl sie eine knallige Farbe besitzt, hat es dennoch etwas gedauert, bis ich sie erblickt habe: die Pyramiden-Hundswurz. Die Blüte besteht aus dicht beieinanderstehenden kleine Blüten, die sich beim Abblühen etwas auseinanderziehen. Sie lockt tag- und nachtaktive Schmetterlinge an, die sie bestäuben. Die Schmetterlinge haben jedoch keinen Vorteil davon, denn der Sporn bildet keinen Nektar. Somit ist diese Blüte eine Nektartäuschblüte.

Hurra, es gibt sie im Saarland.

Auf diesem Areal wachsen nahezu die Hälfte der in Deutschland vorkommenden 60 Orchideenarten. Hier gedeihen so viele Arten, weil die unterschiedlichen Lebensräume eng miteinander verzahnt sind. Es gibt einerseits sehr trockene Standorte wie Weinbergmauern aber auch feuchtere Standorte wie den Kalkquellsumpf. Jede Pflanze findet hier ihre passende Nische!

Auch die Hummelragwurz täuscht. Denn die Blüte ahmt mit Ihrer Form und ihrem Aussehen eine Hummel nach.

Ob Fliegenragwurz, Bienenragwurz oder Hummelragwurz, hier sieht man sie alle.

In den Blüten und Blättern summt und flattert es. Ein Schlaraffenland für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge & Co.

Die Esparsette mit einem Bläuling aus der Gattung Plebejus.

Damit der Orchideenpfad Gersheim erhalten bleibt und nicht verwildert, werden auf den Wiesen regelmäßig Landschaftspflegemaßnahmen durchgeführt.
Sonst wäre dieses Blütenmeer ruckzuck verschwunden.

Danke liebe Landschaftspfleger!

Weitere Fotos vom „Orchideenpfad Gersheim“ hier