1878 erblickte in St. Ingbert ein kleiner Junge das Licht der Welt

Seine Eltern hatten in St. Ingbert eine Bäckerei mit angeschlossener Gastwirtschaft. Er war ein intelligenter Junge, der gerne malte und zeichnete. Und natürlich hatten seine Eltern auch eine konkrete Vorstellung, was aus ihm mal werden sollte. „Unser Albert soll Volksschullehrer werden!“

Ja, bis heute haben wir Eltern den ein oder anderen Wunsch, was aus unseren Kindern werden soll. Glücklicherweise wissen die Kinder oft am besten, was aus ihnen werden soll und gehen dann unbeirrt ihren Weg.

So auch Albert! Sein künstlerisches Talent setzte sich immer mehr durch, er zeichnete in rasender Geschwindigkeit beispielsweise Tierköpfe auf die Marmortische der elterlichen Gastwirtschaft. Er machte eine Lehre als Dekorationsmaler und wollte sich künstlerisch weiterbilden und wechselte nach München. Hier erhielt er ein Stipendium an der Kunstgewerbeschule. Vier Jahre studierte er an der Akademie der Bildenden Künste zunächst bei Gabriel Hackl, dann bei Franz von Stuck. In der Malklasse von Stuck lernt er Paul Klee und Wassily Kandinsky kennen. Er illustrierte für die Zeitschrift JUGEND und reiste mehrmals nach Paris. Dort machte er Bekanntschaft mit Henri Matisse.

Natürlich besuchte er in dieser Zeit auch seine Heimat, das Saarland. So auch 1903, in dieser Zeit entstanden seine bekannten Biergartenbilder. In diesem Jahr hat er auch das Logo für das bis heute noch bestehenende Zigarren- und Tabakfachgeschäft Bennung in St. Ingbert entworfen.

Das Foto von Catherine Fabre zeigt das Logo des Zigarren- und Tabakfachgeschäfts Bennung in St. Ingbert
Das Foto von Catherine Fabre zeigt das Logo des Zigarren- und Tabakfachgeschäfts Bennung in St. Ingbert

Der Lebensweg von Albert Weisgerber ist kein gewöhnlicher. Er entwickelte sich künstlerisch vom späten Impressionismus bis zu einem Expressionismus mit eigener Form und Prägung. Er malte Porträts, Café- und Varitébilder.Beliebte Motive sind ferner der Münchner Hofgartens und der heilige Sebastian. Er verkaufte Gemälde an die Städtische Galerie Frankfurt und an die Pinakothek, dadurch erhielt er internationale Anerkennung. 1913 ist er Gründungsmitglied der „Neuen Münchner Secession“ und wird deren Präsident. Die erste von ihm organisierte Ausstellung, die Avontgarde der deutschen Kunst, sorgte europaweit für Aufsehen.

Albert Weisgerbers Lebensweg ist eine spannende Geschichte in schwieriger Zeit.

So auch sein Lebensende. Am 10. Mai 1915, also vor über hundert Jahren, fiel er als Soldat im Ersten Weltkrieg. Zurück bleibt unvergessen sein künstlerisches Schaffen. Gerade die biblisch-religiösen und mythologische Stoffe nehmen in den letzten Jahren seines Schaffens einen herausragenden Rang ein. Seine Hinwendung zu religiösen und mythologischen Stoffen steht in direktem Zusammenhang mit seiner Entdeckung der italienischen Renaissancekunst, die ihn auf mehreren Reisen nach Italien beeindruckte. Wie seine expressionistischen Kollegen ließ sich auch Weisgerber durch die Lektüre der Bibel inspirieren, die Anstoß für viele seiner Werke gab.

Im Rahmen einer Sonderausstellung "Das religiöse Bild" können wir eine Auswahl an seiner religiösen Werke bis zum 9.Oktober 2022 im Kapitelsaal der Benediktinerabtei Tholey betrachten.

RZ_Weisgerber_DL_Flyer.indd (abtei-tholey.de)

Weitere Informationen zu Albert Weisgerber:

Stadt St. Ingbert: Albert Weisgerber (st-ingbert.de)

Institut für aktuelle Kunst (institut-aktuelle-kunst.de)

geschrieben von: sabine, am 05.07.2022

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