Das Pendant, das sogenannte Gegenstück zur Siessschmier am Morgen ist meine Käseschmier am Abend. Die Käseschmier, die Scheibe Brot belege ich demzufolge mit Käse. Ab und an esse ich auch Käse pur, quasi Käse ohne Brot. Gerne auch mit Baguette und so manches Käsestück schmeckt mir auch in Kombination mit Wein.

Wenn ich an Käse denke, denke ich ebenso an Milch und selbstverständlich auch an die liebe Kuh. Ich beobachte Kühe gerne, besonders wenn sie elegant mit ihrem Kopf schütteln. Besonders im Sommer, wenn sie von Quälgeistern, den Mücken & Co. belästigt werden. Sie verjagen ihre Quälgeister mit ihrem ständig wedelnden Schweif. Manchen Quälgeist schreckt das jedoch nicht ab. Diese wagen es dann sogar in die Augen oder in die Nase zu krabbeln. Selbst der längste Schweif ist dann zu kurz. Aber die Kuh löst dieses Problem ganz souverän, sie beginnt ganz vornehm mit dem Kopf zu schütteln.

Während ich die Kühe nur durch meine Beobachtungen kenne, hat Petra Fries eine besondere Beziehung zu Kühen, besonders zur Kuh Gitte.

Petra Fries und ihr Mann Jörg haben in den Neunzigern ein altes Bauernhaus im Illinger Ortsteil Hirzweiler restauriert, in dem sie auch wohnten, mit einem Stall und einer Scheune.

Während dieser Zeit fuhr ihr Mann eines Tages für ein paar Tage in den Schwarzwald. Er war dort mit einem Landwirt auf einer Versteigerung, weil dieser Hinterwälder Rinder kaufen wollte. Als Herr Fries von der Reise aus dem Schwarzwald nach Hause kam, begrüßte er seine Frau Petra mit den Worten: „Hallo, ich habe dir eine Überraschung mitgebracht.“ Im Hänger des Landwirtes stand eine Kuh. Das Tier ist bei der Versteigerung übrig geblieben, niemand wollte sie kaufen. Auch deshalb nicht, weil sie zwei unterschiedlich geformte Hörner hatte. Weil es eine sehr zutrauliche, ruhige Kuh war, hatte Herr Fries sich spontan entschieden, das Tier zu kaufen. Er schenkte es seiner Petra. Was für ein Geschenk! Fortan hatte Frau Fries eine Kuh. Diese bekam den Namen „Gitte“. Da weder Kuh noch Mensch gerne alleine sind, hatte das Ehepaar Fries bald eine kleine Kuhherde. Daher auch leckere Milch. Klar, dass eigener Käse nicht lange auf sich warten ließ. Im Jahr 2010 wurde die Dorf- und Schaukäserei Hirztaler Käserei gegründet. Auf der Suche nach einem Logo für ihre Käsereim stand schnell fest, dass das Konterfei von „Gitte“ herhalten musste.

Was alles möglich ist! Ein nicht alltägliches Geschenk mit leckeren Folgen!

Ich beschenke mich auch am Abend. Ich belege meine Käseschmiere gerne mit dem Goldstück von der Hirztaler Käserei. Sehr cremig, lecker! Zukünftig sollte ich nur auf die Menge achten! Was meint ihr? Wie viele Scheiben sind am Abend erlaubt? Was wäre, wenn ich diese Frage den Kühen stellen würde? Hoffentlich käme dann kein Kopfschütteln!

Richtig, es kommt auf die Kuh, die Milch und den Käse an! Manch Käseschmiere ist einfach wahnsinnig lecker und mit dem Verzicht klappt es dann eben mal nicht. ;-))

( Foto: Familie Fries )