Ein Dorf! Eine Linde! Ein Treffpunkt zum Feiern und Tanzen, um Gericht zu halten! Linden besitzen seit jeher die magische Kraft, Dörfern einen Mittelpunkt zu geben. Darf sich die Linde frei entfalten, wächst sie bis zu 40 Meter in die Höhe. Der Stamm erreicht oft einen beachtlichen Umfang von bis zu 9 Metern und mehr. Die Germanen weihten die Linden der Göttin Freya, die Liebe, Fruchtbarkeit und Schönheit repräsentiert. Kein Wunder, dass man früher beim Tanzen unter dem Lindenbaum den Liebsten oder die Liebste fürs Leben fand.

Die meisten Linden in den Dörfern sind Sommerlinden. Sie blühen früh im Sommer – im Juni. Dann verströmen sie am Abend den wunderbar-süßen-bezaubernden Lindenduft, den die Bienen lieben. Auch dem Menschen ist die Lindenblüte wohl gesinnt. Bis zu fünf Tagen nach dem Erblühen geerntet, getrocknet und als Tee getrunken, gilt sie als eines der ältesten Heilmittel der Hausmedizin. Bei Erkältungen, grippalen Infekten, aber auch zur Beruhigung von Unruhezuständen wird sie empfohlen.

Sie ist wohl die älteste ihrer Art im Saarland.

Auch die Stennweiler Sommerlinde hat sich im Laufe der Jahre zu einem Prachtexemplar entwickelt. Ihr benanntes Alter liegt bei 1000 Jahren.

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Sie steht im Ortsteil Stennweiler der Gemeinde Schiffweiler und ist rund 18 hoch und genauso breit. Stamm und einige große Äste sind gut gestützt – ohne Hilfsmittel könnte sich die Stennweiler Sommerlinde wohl nicht alleine halten. Und das ist seit langer Zeit bereits so.

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Alte Postkarten und ein Zeitungsausschnitt aus den 60er Jahren zeigen, dass man auch damals der Sommerlinde Unterstützung zuteilwerden ließ.

Erst beim genauen Hinschauen fällt auf, dass da ein sehr alter Baum mit einem jüngeren zum Himmel strebt. In ihrer Nachbarschaft steht heute eine weitere Sommerlinde. Seit den späten 60er Jahren wurzeln beide nah beieinander. Die Nachfolge ist klar geregelt!

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Dass es mit der Stennweiler Sommerlinde weitergehen soll, ist für die Gemeinde ganz klar, man will die Sommerlinde wieder als Naturdenkmal in das Dorfleben integrieren. Und dazu gab es einen Wettbewerb, den Georg Schütz mit seinem Entwurf gewonnen hat. Georg Schütz pflegt ein inniges Verhältnis zur Stennweiler Sommerlinde. Als Kind stand nur 200 Meter entfernt das Elternhaus.  Die Sommerlinde war seine Welt, die ihn die ganze Kindheit begleitet hat: Auf den großen Wurzeln sitzen, in ausgehölte Äste klettern, von Karl Mays Helden träumen und Robin Hood sein. Die Sommerlinde war die Burg der Kindheit, hier hat die Fantasie fliegen gelernt. Und im Sommer, wenn tausende von Bienen die Blüten besuchten, saß Georg Schütz im süßen Duft auf den Ästen der brummenden Linde. Als er später seine erste Frau heiratet, zieht er mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft zu Fuß an der Linde vorbei zum Feiern ins Gasthaus.

Getanzt wurde unter der Linde nicht. Daran kann sich in Stennweiler niemand erinnern. Die Linde war eher ein Ort der Kommunikation, ein Treffpunkt. Früher stand hier der Brunnen und alte gebückte Frauen kamen zum Wasserholen. Zentral gelegen, denn die Linde ist die Grenze zwischen Unterdorf und Oberdorf.

Und der Wettbewerb?

Wie soll der Vorplatz denn nun aussehen?

Wie ein Bauerngarten! Stennweiler hat einen bäuerlichen Ursprung. Und Bauerngärten gab es hier viele, erinnert sich Georg Schütz.

Sandsteinpfosten passen gut zu vielen alten Häusern in Stennweiler

Sandsteinpfosten passen gut zu den alten Häusern in Stennweiler, die aus Sandstein gebaut sind.

Georg Schütz mit seinem Modell, dass den Wettwerb zur Umgestaltung gewonnen hat.

Georg Schütz und sein Modell, dass den Wettbewerb gewonnen hat. Ein passender Rahmen für die Sommerlinde.

Mit der Umgestaltung geht es nun bald los.

Dann rückt die Sommerlinde als Dorfälteste wieder mehr in den Mittelpunkt.

Und vielleicht wird ja aus ihr noch eine Tanzlinde!