Seine Eltern hatten eine Bäckerei mit einer angeschlossenen Gastwirtschaft. Er war ein intelligenter Junge, der gerne malte und zeichnete. Und natürlich hatten auch seine Eltern eine konkrete Vorstellung was aus ihm mal werden sollte. „Unser Albert soll Volksschullehrer werden“!

Ja, bis heute haben wir Eltern ja auch den ein oder anderen Wunsch was aus unseren Kindern werden soll. Glücklicherweise wissen die Kinder oft am besten was aus ihnen werden soll und gehen dann unbeirrt ihren Weg.

So auch Albert, sein künstlerisches Talent setzte sich immer mehr durch, er zeichnete in rasender Geschwindigkeit beispielsweise Tierköpfe auf die Marmortische der elterlichen Gastwirtschaft. Er machte eine Lehre als Dekorationsmaler und will sich künstlerisch weiterbilden; er wechselt nach München. Er erhält ein Stipendium an der Kunstgewerbeschule in München. Vier Jahre studiert er an der Akademie der Bildenden Künste zunächst bei Gabriel Hackl, dann bei Franz von Stuck. In der Malklasse von Stuck lernt er Paul Klee, Wassily Kandinsky kennen. Er illustriert für die Zeitschrift Jugend und reist mehrmals nach Paris, er macht Bekanntschaft mit Henri Matisse.

Er besuchte natürlich auch hier und da seine Heimat: das Saarland, so auch 1903, in dieser Zeit entstanden seine bekannten Biergartenbilder. In diesem Jahr hat er auch das Logo für das bis heute noch geführte Zigarren- und Tabakfachgeschäft Bennung in St. Ingbert entworfen.

Der Lebensweg von Albert Weisgerber ist kein gewöhnlicher Weg. Er entwickelte sich künstlerisch vom späten Impressionismus bis zu einem Expressionismus mit eigener Form und Prägung. Er malt Porträts, Café- und Varitébilder, beliebte Motive sind ferner die des Münchner Hofgartens und der heilige Sebastian. Er verkauft Gemälde an die Städtische Galerie Frankfurt und an die Pinakothek, dadurch erhält er internationale Anerkennung. 1913 ist er Gründungsmitglied der „Neuen Münchner Secession“ und deren Präsident. Die erste von ihm organisierte Ausstellung, die Avontgarde der deutschen Kunst, sorgt europaweit für Aufsehen.

Albert Weisgerbers Lebensweg ist eine spannende Geschichte in schwieriger Zeit.

So auch sein Lebensende, am 10. Mai 1915, also vor hundert Jahren fiel er als Soldat im ersten Weltkrieg.

Zurück bleibt unvergessen sein künstlerisches Schaffen. Ein Blick zurück, auf das künstlerische Werk, eine Retrospektive ist möglich bei der Ausstellung die bis zum 5. Juli 2015 im Saarlandmuseum in Saarbrücken zu sehen ist. In seiner Geburtsstadt, St. Ingbert dreht es sich das ganze Jahr um ihn, in Form von Veranstaltungen und Aktionen wird sein Leben und Werk beleuchtet. Einen guten Einblick erhält man auch bei der Führung „Auf Albert Weisgerbers Spuren durch das königlich-bayrische St. Ingbert“.