Wenn mir mein Alltag zur Last wird, gehe ich meistens wandern. Heute laufe ich den Wanderweg „Nach der Schicht“. Anhand von Infotafeln und Erlebnisstationen begleitet mich hier die Familie Penth aus Welschbach, eine Bergmannsfamilie aus früheren Zeiten. Auf Schritt und Tritt erhalte ich Einblicke in ihren nicht immer einfachen und oft auch entbehrungsreichen Alltag.

Die Familie Penth gab es nicht wirklich. Sie steht stellvertretend für die damaligen Verhältnisse.

Auf dem Weg zur Arbeit.

Mein Alltag fällt mir momentan zur Last. Hauptschwerpunkt: Ich bin Pendlerin. Tholey – Saarbrücken – Saarbrücken – Tholey. Mich stört der Berufsverkehr, die Baustellen und die roten Ampeln. Doch eigentlich sollte ich mich freuen, wenn ich mein Leben mit dem der Menschen um 1900 vergleiche. Nur wenige Bergleute hatten im Saarland das Glück als „Kostgänger“ in der Nähe der Grube Unterkunft zu finden. Überwiegend pendelten die Bergleute. Pendeln hieß früher „zu Fuß gehen“, ob bei Regen, Minusgraden oder großer Hitze. Auch Vater Wilhelm Penth  musste sich jeden Morgen auf den Weg von Welschbach nach Reden machen, wo um 6:00 Uhr seine Frühschicht begann. Nach schwerer Arbeit unter Tage lief er den gleichen ausgetretenen Bergmannspfad wieder zurück.

Wandern ist schön! Aber jeden Tag von Tholey nach Saarbrücken hin und zurück! Ich würde mal sagen, für meinen Fall ist ein Auto ein großes Glück.

Feierabend

Die damaligen Löhne reichten bei weitem nicht aus, eine größere Familie zu versorgen. Herr Penth war deswegen noch nebenher Kleinbauer. Auf seinem Feld gab es immer viel zu tun. Sommergetreide mit der Hand säen. Kartoffeln einlegen, das Gras mit der Sense mähen.

 

Also nach meiner Schicht habe ich Feierabend und gehe dann gerne über die Felder oder genieße den grandiosen Ausblick in die Ferne ;-))

Klar macht die Hausarbeit auch vor mir nicht halt. Früher war der anstrengendste Teil das Waschen. Die dreckige Wäsche wurde auf dem Waschbrett mit der Bürste oder von Hand kräftig geschrubbt. Anschließend wurde die Wäsche von Hand erneut ausgewaschen, ausgewrungen und zum Trocknen auf die Leine gehängt.

Auf die Leine kommt meine Wäsche heute auch noch. Aber Dank Waschmaschine habe ich Zeit für eine Pause in der Blumenwiese.

Adé Alltagslast!

Natur genießen, Blumenduft einatmen, in den Himmel blicken! Ob sich Familie Penth auch mal einfach so in die Blumenwiese legte, um Schmetterlinge zu beobachten?

Ich denke nicht.

Mir wird bewusst, dass die Familien früher für eine viel größere Alltagslast zu stemmen hatten.

Unterwegs treffe ich auf die Kapelle „Maria Königin des Friedens“ in Hüttigweiler und trete ein.

Euch sei verraten: Ich hab mich bedankt dafür, dass mein Leben doch heute so leicht ist.

Mein Fazit:

Wenn du hast die Flemm,
fahr nicht hemm.
Wandere den Weg „Nach der Schicht“.
Dort wird die Alltagslast wie weggewischt ;-))