Heute bin ich zu Gast bei Hermann Scheid. Er erzählt mir von damals, wie alles begann und welche Schritte notwendig waren, um dieses Großprojekt zu realisieren.

In den 70er Jahren machte sich das Wasserwirtschaftsamt in Saarbrücken darüber Gedanken, welche Maßnahmen man ergreifen könnte, um Überschwemmungen im Tal der Nahe zu vermeiden. Gesucht wurde ein großes Gelände, um ein Wasserrückhaltebecken zu errichten.

Im gleichen Zeitraum hatte Hermann Scheid als damaliger Amtsvorsteher des Amtes Nohfelden vielfältige Aufgaben zu lösen. Er stellte die Rückläufigkeit der Landwirtschaft in seiner Gemeinde fest. Dadurch drohte hohe Arbeitslosigkeit. Gerade im ländlichen Raum war die Landwirtschaft ein großer Arbeitgeber in der damaligen Zeit. Um der Entwicklung entgegen zu wirken, kam das Strukturhilfeprogramm Saarland-Westrich sehr gelegen.

Landrat Werner Zeyer, der spätere Ministerpräsident des Saarlandes und Amtsvorsteher Hermann Scheid hatten die Vision diese einmalige Chance zu ergreifen und im Bereich des Amtes Nohfelden einen See entstehen zu lassen.

Für Amtsvorsteher Scheid stand damals fest: „Ich sah die Lösung im Fremdenverkehr. Der Fremdenverkehr schafft Arbeitsplätze und gleichzeitig dient dieser der Erholung und Freizeitgestaltung für die Bevölkerung.“

Ein idealer Standpunkt: Die Landschaft um die Ortschaften Neunkirchen/Nahe, Gonnesweiler, Bosen und Eckelhausen. Foto Hermann Scheid

Konkurrenzsituation

„So einfach war die Situation dann aber doch nicht“, erläutert Hermann Scheid. Zwei weitere Regionen im Saarland wollten das Wasserrückhaltebecken ebenfalls bauen: das Rohrbachtal zwischen Elversberg und St. Ingbert und ein Tal in der Nähe von Überherrn bis nach Frankreich hinein. Das Rohrbachtal scheiterte daran, da dort bereits ein Trinkwassereservoir lag. Das Tal bei Überherrn schied aus, weil man das Projekt möglichst schnell umsetzen wollte und lange Verhandlungen mit der Zentralregierung in Paris befürchtete.“

 „Der See kommt nach Nohfelden. Zeyer und ich waren begeistert!“

„Zeitgleich begann harte Arbeit“, schwelgt Hermann Scheid in Erinnerungen. „800 Grundstückseigentümer mussten überzeugt werden, ihr Grundstück zu verkaufen. Als Amtsverwaltung Nohfelden konnte man dieses Projekt nicht stemmen. Wir gründeten also einen Zweckverband. Alle waren wir uns einig: Eine Wasserfläche von 120 ha gehört in die öffentliche Hand, am Besten in die Trägerschaft des Landkreises St.Wendel.“

Hermann Scheid, damaliger Amtsvorsteher des Amtes Nohfelden

„Ich hatte volle Terminkalender! Fortan war ich mindestens drei Mal die Woche beim Landrat Zeyer. Drei Jahre Bauzeit: Das war eine spannende und bewegende Zeit! Es gab auch Schwierigkeiten mit denen niemand rechnete. Beispielsweise im Jahr 1973 bei dem ersten Anstau war eine Leitung undicht und Unmengen an Wasser traten über. Die Bevölkerung und wir hatten Angst, dass der Staudamm unterspült wird.“

„Einmal lief das Wasser so schnell ein, dass wir mit einem Boot die Stromleitung kappen mussten“, erinnert sich Hermann Scheid. Foto Hermann Scheid.

Hermann Scheid berichtet von der Aktion als die Waldjugend mit Unterstützung des Ministeriums 480.000 japanische Eichen einpflanzte, eine bis heute nachwirkende Aktion. Oder davon wie es zur Namensfindung für den See kam: Im Zweckverband, dem die Gemeinden mit Ihrer Gemarkung rund ums Staudammgebiet angehörten, wurde beschlossen, dass der Name das Tal rund um die Dörfer Eckelhausen, Bosen, Neunkirchen/Nahe, Gonnesweiler repräsentieren soll. Es folgten Vorschläge: Eckelhausenersee, Nahesee, Neunkirchenersee, Gonnesweilersee und Bosensee.

Durchgesetzt hat sich der Name:  BOSTALSEE.

Am 20. Mai 1979 war es dann soweit und die offizielle Einweihung wurde gefeiert.
Für das Saarland fiel der Startschuss für Urlaub am größten Freizeitsee im Südwesten Deutschlands.

2019 jährt sich die Einweihung des Bostalsees zum 40. Mal. Einleuchtend, dass dies bei zahlreichen Festen am See gefeiert wird.
Wer weitere Details wissen möchte, wie damals alles begann, dem empfehle ich die Veranstaltung im Kunstzentrum Bosener Mühle am Sonntag, 2. Juni, 11.00 Uhr. „Eher gebe es ein Haus auf dem Mond,…“ Christoph M. Frisch im Gespräch mit Hermann Scheid.

 

Vielen Dank Herr Scheid, für Ihre Vision und ihr Engagement, dass diese Vision in Erfüllung ging.