Heute träum ich mich, ach
aufs Dach der Benediktinerabtei in Mettlach!

Beim Mittagessen kam ich drauf.
Ich deckte den Tisch und bewunderte erneut mein Geschirr.

Foto: Sabine Caspar

Ich bin es nie leid. Im Gegenteil, ich finde mein Geschirr besonders schön, obwohl ich es schon so viele Jahre besitze. Und ich bin auch ein wenig stolz darauf, ein solches zu besitzen. Es wurde hergestellt von Villeroy & Boch, einem saarländischen Familienunternehmen. Einem Weltunternehmen mit Tradition!

Wie fing die Erfolgsgeschichte von Villeroy & Boch eigentlich an?

1748 steht auf der Rückseite meines Tellers und in der Tat, dies war das Jahr als François Boch eine Porzellan-Manufaktur in Audun-le-Tiche (Deutsch-Oth) in Lothringen mit seinen Söhnen gründete. Zuvor war François Boch Eisengießer und fertigte Kanonenkugeln für König Ludwig XV.. Schnell waren sie mit ihrer Manufaktur erfolgreich, sie expandierten nach Luxembourg und starteten dort mit der frühindustriellen Serienproduktion. 1809 nutzte ein Enkel von François Boch unter den Wirren der französischen Revolution die Chance und erwarb die Benediktinerabtei Mettlach. Bis heute ist dieses historische Gebäude der Hauptsitz von Villeroy & Boch.

Benediktinerabtei Mettlach Foto: Yannik Planta

Nach jahrelangen Forschungen machten sie eine sensationelle Entdeckung: Sie entwickelten weißes Steingut, das kaum von dem damals unbezahlbaren Porzellan unterschieden werden konnte. Man war plötzlich in der Lage, allen Menschen, nicht nur den Adeligen, bezahlbares Porzellan anzubieten.

Das war eine Revolution in der Keramikproduktion. Und die kam zur rechten Zeit, denn das Bürgertum liebte es, den Alltag der Adeligen zu imitieren.

Nicht weit von den Boch´s arbeitete die Konkurrenz: Nicolas Villeroy, dem eine Steingutmanufaktur in Wallerfangen gehörte. Ihm war es gelungen, den Kupferdruck, eine Technik der Engländer, zu imitieren. Die Motive werden bei dieser Methode in Vorlagen gestochen und dadurch wurde eine Serienproduktion erstmals möglich. Im Gegensatz zur Handmalerei sparte diese Methode enorme Zeit und viel Geld.

1836 waren die wirtschaftlichen Zeiten für beide Unternehmen hart, denn Keramik und Porzellan aus England und Frankreich konnte in Deutschland ohne Zölle verkauft werden.
Um konkurrenzfähig zu bleiben, schloss man sich zusammen.

Eine Liebesheirat machte aus der Unternehmerfamilie eine Großfamilie.

Eugen Boch heiratete am 3. Mai 1842 Octavie Villeroy, die Tochter des Großindustriellen Charles Villeroy.

Berge versetzen

Besonders gefällt mir der Liebesbeweis von Eugen Boch an seine Frau. Sie war eine gläubige Katholikin und besuchte die Kirche St. Joseph regelmäßig, als sie noch in Wallerfangen wohnte. Als diese Kirche keine rechte Nutzung mehr fand, war es Eugen, der die Kirche abbauen ließ, all die Steine auf dem Wasserweg über die Saar nach Mettlach transportierte und die Kirche dort wieder aufbauen ließ, originalgetreu! Bis heute steht sie dort, die St. Josephs Kirche in Mettlach. Romantisch und wunderschön!

Kirche St. Joseph, Foto: Chris Vercruysse

Villeroy & Boch schreibt viele Geschichten. Die Familien halten zusammen, besonders auch in schwierigen Zeiten. Ein interessanter Einblick in die Familien und -Unternehmensgeschichte ermöglicht dieser Film: https://www.villeroyboch-group.com/de/unternehmen/unsere-geschichten/tradition.html

Und klar, ich träume mich demnächst wieder fort, an einen neuen Saarland- Ort ;-))