Sie machen das Unfassbare fassbar: die Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig seit 1995 verlegt. Zu finden sind sie überall in Deutschland und in mehreren Orten in Europa – auch im Saarland.  Sie sind gerade einmal zehn Mal zehn Zentimeter klein. Auf sie hat der Künstler eine Messingplatte aufgebracht und graviert darauf Namen von verfolgten, deportierten und/oder ermordeten Menschen durch die Nationalsozialisten.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ – so zitiert der Künstler den jüdischen Talmud auf seiner Internetseite. Damit dies nicht passiert, lässt er vor dem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln in den Bürgersteig ein.

Wider das Vergessen

Unter anderem findet sich jetzt in St. Ingbert auch ein Stolperstein für Johannes Hoffmann, „JoHo“ (1890-1967). Sein Name ist eng mit der Geschichte des Saarlandes verbunden: Er war NS-Gegner der frühen Stunde und von 1947 bis 1955 der erste Ministerpräsident des Saarlandes. Er lebte mit seiner Familie ein Jahr lang in der Doppelhaushälfte aus Backstein, bevor er 1935 nach dem Saar-Referendum von hier aus ins Exil ging, letztlich bis nach Brasilien.

Sich erinnern und nachdenken

Sich erinnern und nachdenken

 

Einige Schritte befinden sich zwei weitere Stolpersteine. Sie erinnern an Eva Heimann, ermordet in Auschwitz, sowie an Erich Ochs, in Majdanek ermordet. Durch Zufall kam ich kurz nach der Verlegung vorbei – die Stolpersteine glänzten in der Frühlingssonne, daneben lag noch eine Rose. Ich blieb stehen. Jetzt weiß ich es, jetzt sieht es jeder: In diesen Häusern haben NS-Opfer gelebt.

Die Stolpersteine haben mich berührt und zum Nachdenken gebracht. Wenige Tage später haben sie mich zu einem Besuch im Historischen Museum Saar am Saarbrücker Schlossplatz veranlasst. Im Museum und in den Kellergewölben kann man sich über die Saargeschichte seit 1870 informieren und trifft wieder auf Johannes Hoffmann und die Spuren von NS-Opfern.

Geschichte erleben im Historischen Museum Saar

Geschichte erleben im Historischen Museum Saar

Referendum an der Saar 1955

Referendum an der Saar 1955

Blick in die NS-Ausstellung im Historischen Museum Saar

Blick in die NS-Ausstellung im Historischen Museum Saar

 

Beklemmend: die ehemalige Gestapo-Zelle im Schlosskeller, die ab 1935 ihren Sitz im Saarbrücker Schloss hatte. An den Wänden: zahlreiche Inschriften der inhaftierten Zwangsarbeiter.

 

(Bilder: Historisches Museum Saar)