Seit bekannt wurde, dass der weltbekannte Künstler Gerhard Richter drei Kirchenfenster für meine Heimatkirche entwirft, beschäftigt mich die Frage: Was verbindet diesen großen Künstler unserer Zeit mit Tholey, genauer mit der Benediktinerabtei? Meine Recherche ergibt: Der Saarbrücker Organist Bernhard Leonardy weiß, wie alles seinen Anfang nahm. Ich treffe ihn für ein Interview:

„Mit der Benediktinerabtei Tholey bin ich von Kindheit an eng verbunden“, so Bernhard Leonardy. „Das Orgelkonzert von Jean Longlai in der Tholeyer Abtei im Mai 1983 war meine Initialzündung zur musikalischen Berufung und zum Orgelstudium. Auf der Suche nach einer Zukunft für den Konvent in Tholey, der nun wie durch ein Wunder durch die komplette Renovierung wiederauferstanden nach vorne blickt, wagte ich den Versuch den Künstler Gerhard Richter zur Gestaltung der drei Hauptfenster der Abtei anzufragen.“

STOPP- Halt, woher kennen Sie Gerhard Richter?

Foto: Leonardy

„Mein persönlicher Kontakt zu Gerhard Richter entstand vor rund zehn Jahren. Ich habe damals aus meiner Begeisterung heraus seine Werke „Photo Paintings des Raketenzyklus“ in Orgelimprovisationen vertont. Als Rohmaterial der Interpretation dieser kosmischen Bilder dienten Themenfragmente der Toccata in D-Moll von Johann Sebastian Bach sowie Mosaiksteine aus den Visions cosmique von Jean Guillou, Orgelimprovisationen anlässlich der Mondlandung. Gerhard Richter schrieb mir nach der Zusendung der CD einen sehr herzlichen, freundlichen sowie handschriftlich Brief“, erzählt Leonardy.

Foto: Leonardy

Leonardy schreibt Gerhard Richter einen Brief

„Ich schrieb ihm über meinen Besuch in Vence in Südfrankreich und über die Entstehung der Rosenkranzkapelle von Henry Matisse. Initiiert wurde dieser Bau nämlich durch eine einfache menschliche Freundschaft zwischen dem Maler und der jungen Nonne Monique, seiner Nachtschwester nach einer schwierigen Operation. Matisse entschied sich damals nicht für Nizza oder Paris, sondern für das verträumte Dorf Vence und gestaltete diese wunderbare Kapelle, sein Meisterwerk, wie er sie selbst bezeichnete. Ich schrieb also Richter über Tholey und seiner Abteikirche, die ein heiliger, ruhiger und kontemplativer Ort ist. Ich stellte Gerhard Richter die Frage: „Könnte die allerhöchste Kunst nicht einem solchen Ort eine Daseinsberechtigung für die Zukunft oder, mit einer musikalisch großen Geste formuliert, sogar Ewigkeit geben?“

Gerhard Richter antwortet

„Am 24.6.2018 befand ich mich in einem stillen Abendgottesdienst in der Basilika Saarbrücken. Der 24.6. ist der Geburtstag des heiligen Johannes des Täufers und Patron der Basilika St. Johann. Währenddessen sprach mir Gerhard Richter auf meinen Anrufbeantworter. Seine ersten Sätze klangen sehr unnahbar. Ich zitiere: „Hallo Herr Leonardy, ich danke Ihnen für Ihren Brief vom 12. Juni. Ach so, hier ist Gerhard Richter, Köln. Es geht um das älteste Kloster Deutschlands. Es klingt alles wunderbar, aber ich bin zu belastet und einfach zu alt. Ich glaub nicht, dass ich es schaffe!“

Und dann?

Dann kamen die zehn Sekunden, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Zehn Sekunden absoluter Stille, unendlich lang und nachdenklich – auf beiden Seiten. Dann wie aus einer anderen Welt: Ich zitiere weiter „obwohl ich…..ja…… Lust dazu hätte“

kurze Pause

„es ist auch so, ich habe nicht einmal eine Abbildung von Ihnen bekommen! Ich danke Ihnen auf jeden Fall, Tschau!““

Und so fing es an, mit den Fenstern von Gehard Richter in Tholey.

Meine Antwort hierzu: WOW!