Heute starte ich vom Bostalsee aus meine zweite Etappe auf dem Saarland-Radweg  Ziel der Tour ist der Losheimer Stausee, das sind so etwa 53-55 Kilometer mit dem Fahrrad.

Die Jubiläen und eine neue Entdeckung

Ich hatte unglaublich viel Spaß, das war wirklich ein tolles Fest letztes Jahr, wir Saarländer feierten „40 Jahre Bostalsee“. Auch Nicole gab ein Konzert. Ein Jubiläum feiert übrigens in diesem Jahr auch der Naturpark Saar-Hunsrück, er wird 40 Jahre alt. Über 100 Naturparke gibt es in Deutschland. Sie sind, so auch der Naturpark Saar-Hunsrück, geschützte, durch langfristiges Einwirken, Nutzen und Bewirtschaften entstandene Landschaftsräume. Diese wertvolle Kultur- und Naturlandschaften sollen in ihrer heutigen Form bewahrt werden. Natur und Kulturlandschaft zu bewahren finde ich enorm wichtig. Unvorstellbar, wenn ich den Schwarzstorch nicht mehr beobachten oder das Panorama der Streuobstwiesen nicht mehr genießen könnte.

Streuobstwiesen, Foto: Eike Dubois

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald, der sich zur Gänze in die mehr als 2.000 Quadratkilometer Naturparkfläche einschmiegt, verfolgt verstärkt die Ziele des Naturschutzes. Er ist ein zukünftiges Wildnisgebiet  in einer Größe von etwa 14.000 Fußballfeldern, in dem keine wirtschaftliche Nutzung stattfindet. Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald wurde übrigens eine neue Flechtenart entdeckt – und das ganz per Zufall.  Die Entdeckerin ist Dr. Dorothee Killmann, Biologin an der Universität Koblenz-Landau.

Die neue Flechtenart bekam übrigens den Namen „Verrucaria hunsrueckensis“, Foto nlphh.de – Dr. Andrea Kaus-Thiel

Ohne Nagel gebaut

Ich fahre in leichten Kurven durch den Wald und dann geht es auf den Peterberg hinauf. Kurz durchatmen, die Aussicht genießen und dann rolle ich vorbei am Örtchen Schwarzenbach. Hier wurde eine eindrucksvolle Goldschale gefunden aus der Zeit der Kelten. Aufbewahrt wird sie in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Die Goldschale aus Schwarzenbach, Foto: Dr. Thomas Fritsch

Am Keltenpark Otzenhausen, dem saarländischen Eingangstor zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald angekommen, lege ich eine Pause ein. Ich muss mich entscheiden zwischen dem Keltischen Ringwall Otzenhausen oder dem Keltendorf. Hopp und Topp! Ich schaue mir das Keltendorf an. Die Gebäude wurden rekonstruiert und basieren auf der Grundlage der Ausgrabungsbefunde. Sie demonstrieren die keltische Hausbautechnik. Mich beeindruckt, dass trotz eines nachgewiesenen Spektrums an eisernem Werkzeug, das ja eine große Vielfalt von Verbindungstechniken erlaubt, für den Bau der Häuser keine Eisennägel verwendet wurden. Die Kelten arbeiten ausschließlich mit Holzdübeln.

Kostbares Gut

Ich steige wieder aufs Rad und genieße den Wald, die Luft und lasse rollen. Das wäre schon eine Sensation, wenn ich sie hier im Nationalpark Hunsrück-Hochwald zu sehen bekäme: die Wildkatze. Aber allein schon die Tatsache, dass es sich bei meiner Radtour um eine Tagestour und nicht um eine Nachttour handelt, verringert diese Chance kolossal. Die Wildkatze ist schließlich nachtaktiv. Aber ich sehe dennoch allerhand: ein Eichhörnchen, das eine Eiche erklimmt. Ein Reh, das meine Radweg überquert. Wie alt es wohl ist? Rehkitze sind mit 18 Monaten bereits erwachsen. Ursprünglich besiedelten Rehe die Randzonen der Wäldern. Heute trifft man sie oft auf offener Feldflur.

Und dann erblickt mein Auge die Talsperre Nonnweiler.

Der Planetenwanderweg veräuft rund um den See und erklärt unser Sonnensystem mit all seinen Planeten. Foto: Timo Rende

Die Talsperre Nonnweiler ist mit etwa 20 Millionen m3 und einer Oberfläche von ca. 1 km² der größte Wasserspeicher des Saarlandes. Sie wurde in den 1970er Jahren errichtet. Im Vordergrund der Planungen stand damals wie heute die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser zu sichern. Daher ist der  Zutritt zur Wasserfläche ist  nicht erlaubt. Ein großzügiges Wanderwegenetz rund um die Talsperre macht sie so zu einem ruhigen Naherholungsgebiet.

Schwimmen geht hier also nicht, aber das geht in Primstal und da radele ich jetzt hin. Soll ich jetzt wirklich schon ein Bad nehmen oder lieber später? Au ja, ich wage es und zwar im Naturbad Primstal.

Schlösser und Burgen

Gut erfrischt, geht es erstmal weiter an der Prims entlang. Mein nächster Halt: Schloss Dagstuhl, oberhalb des Schlosses liegt die gleichnamige Burgruine. So so,  in der Barockzeit dachte man wirklich, baden schadet der Gesundheit. Ich kann dazu nur sagen, Glück hatte in dieser Zeit jeder, der einen Flohfänger trug.

Nächste Station ist der heilklimatische Luftkurort Weiskirchen. Hier erholen sich nicht nur die Kurgäste, sondern auch ich. Nun heisst es kräftig ein- und ausatmen. Die Höhenlage  und die ausgedehnten Laub- und Nadelwäldern sind die beste Voraussetzung für das hervorragende Klima und die reine Luft der Kurgemeinde. 1963 wurde Weiskirchen „Luftkurort“ und trägt seit 1969 das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“, heute mit der Zusatzauszeichnung „Premium-Class“. Der stolze Titel “Kneipp-Kurort“, als eines der ältesten und hochwertigsten Prädikate des Deutschen Kur- und Bäderwesens folgte 1998.

Nach zirka 10 Kilometern erreiche ich die gut erhaltene barocke Anlage von Schloss Münchweiler.

Der Reichsfreiherr Franz Georg Zandt von Merl ließ sich ab 1749 in drei Bauabschnitten einen Prunksitz errichten. Er beauftragte hierzu den nicht nur an der Saar bekannten Christian Kretschmar. Foto: Günther Schneider

Zu gerne wüßte ich, wer im Schloss früher zu Gast war und wer einen Flohfänger trug und wer nicht. Heute bietet die Baronin Olga von Zandt hier in der Regel zu Kaffee und Kuchen, aktuell ist das Café aber geschlossen. Nicht so schlimm, denn ich befinde mich sowieso auf der Zielgeraden und freue mich auf´s nächste Abtauchen, denn dann habe ich mein Ziel, den Losheimer Stausee, erreicht.

Losheimer Stausee, Foto: Günther Schneider