Aufsteigen und los geht’s, meine erste Etappe auf dem Saarland-Radweg beginnt. Jeder Kilometer will erfahren werden und es werden wohl 30 km sein. Anders als mit dem Auto, hält man mit dem Rad einfach häufiger an, macht eine Pause, um die Landschaft zu genießen oder sich unterwegs etwas anzuschauen.

Glück auf
Meine Radtour startet im Ostertal, das früher vom Kohle- und Kalkbergbau geprägt war. Über Jahrhunderte war dies die wichtigste Einnahmequelle der Menschen im äußeren Nordwesten des Saarlandes. Mühsam wurden tiefe Stollen in den Berg getrieben und in kräftezehrender Arbeit Kohle und Kalk der Erde abgerungen. Den Nachbau eines Kohlenstoßes kann man im Heimatmuseum Dörrenbach sehen. Das kleine Museum macht die Arbeit der Bergleute vor Ort erlebbar und der antike Viergötterstein, der im Zentrum von Dörrenbach gefunden wurde, beweist, dass der Ort schon zu prähistorischer und römischer Zeit bewohnt war.

 

Diese Seite stammt aus dem Heimatbuch „Dörrenbacher Ortschronik“. Fotos: Reimund Benoist.

Mit der Museumseisenbahn abkürzen
Hätte ich schon keine Puste mehr, könnte ich jetzt mit meinem Rad in die Bahn einsteigen. Der alte Bahnhof Dörrenbach ist nämlich ein Haltepunkt der Museumseisenbahn. Die Bahn begleitet mich ein Stück des Weges durch das Ostertal, denn der Saarland-Radweg verläuft hier parallel zur Bahnstrecke. In Oberkirchen entspringt der Bach Oster und fließt etwa 28 Kilometer parallel zur rheinland-pfälzischen Landesgrenze bis nach Wiebelskirchen und mündet dort in die Blies. Das Ostertal wird immer als idyllisch beschrieben und das kann ich nur bestätigen.

Die Natur macht ein Angebot
Mein Blick gen Himmel richtet sich auf den eleganten Flieger, ein Bussard, nein doch eher der Kolkrabe. Neben dem Kolkrabe sind hier in dem schönen Ostertal auch der Eisvogel und die Wasseramsel heimisch. Die Wasseramsel kann übrigens etwas ganz besonders: Unter dem Wasser laufen, das können all die anderen Singvögel nicht. Weiter führt mich mein der Weg an Feldern und Wiesen vorbei ins Tiefenbachtal. In den 80er Jahren wurden hier künstlich geschaffene Teiche angelegt, in denen heute leben. Ich erreiche Oberkirchen.

Die „untergehende Sonne“ sehen

Achat „Die untergehende Sonne“. Foto: atb-thiry/Fotograf –Bonenberger

Die Natur beobachten, stundenlang bis die Sonne untergeht! Heute nicht. Ich will ihn auf jeden Fall sehen, den Achat „die untergehende Sonne“. Ich befinde mich nämlich im Freisener Land, hier hat man früher viel nach Halbedelsteinen gesucht und ist auch fündig geworden. Die Schätze wurden dann nach Idar Oberstein zu den Schleifern gebracht. So verlief es vermutlich auch bei Augustin Stein, der den Achat rund um den Ort Oberkirchen bereits 1920 gefunden hat. Der Achat „untergehende Sonne“ gehört heute zur Sammlung Augustin Stein. Diese Sammlung befindet sich im Mineralogischen Museum in Oberkirchen. Ich lege eine Rast ein, hier im Café Edelstein gibt es leckeren selbstgebackenen Kuchen (Jeden Sonntag:  14 – 17 Uhr)

Eine der größten Steinbrücken Deutschlands

Die Eisenbahnbrücke wurde 1935/36 in 16 Monaten Bauzeit von der Baufirma Polensky & Zöllner aus Basaltsteinen erbaut. Die Brücke ist 275 m lang und besitzt 12 Bögen auf 11 Pfeilern. Foto: atb-thiry/Fotograf –Bonenberger

Über die Dorfgrenze hinaus dürfte sie bekannt sein, ist sie doch eine der größten Steinbrücken Deutschlands. Von der Brücke aus sehe ich sogar den Gipfel des Weiselbergs.
Der Weiselberg entstand im Perm, vor über 280 Millionen Jahren. Das Magma stieg nach oben und erkaltete. Die sich darum befindlichen weicheren Erdschichten wurden in den folgenden Jahrmillionen wieder abgetragen. Geblieben ist das harte Gestein, der heutige Weiselberg. Auf der felsigen Kuppe gedeihen heute anspruchslose Floraspezialisten wie Sonnenröschen, Fetthenne oder Färberginster, aber auch Flechten und Moose. Eine Ansammlung von riesigen bemoosten Steinblöcken befindet sich südlich des Gipfel, genannt wird sie das „steinerne Meer“.

Steinernes Meer, Foto: Bonenberger.

Um den Weiselberg ranken sich übrigens viele Mythen und Sagen, so auch die

Weiselberg-Sagen, aufgezeichnet von Karl Lohmeyer
In uralter Zeit stand auf dem Weiselberg bei Oberkirchen ein Schloss, in dem ein gerechter und gütiger König wohnte. Ein böser Nachbar zog gegen ihn ins Feld, erstieg in der Nacht die Burg und ermordete ihn auf seinem Lager. Ob der ruchlosen Tat verwandelte sich das Bett in einen Felsen, der den Berg krönt. Das Schloss aber stürzte zusammen. Rings um den Berg liegen nun seine Trümmer. Keine Sage sondern wahr ist die Tatsache, dass man im Mineralienmuseum Freisen eine große Anzahl verschiedener Steine, Achate und versteinerte Hölzer bewundern kann, so auch das Vulkangestein vom Weiselberg.

Kurze Zeit später erreiche ich über den Radweg Nohfelden mit der Burg Veldenz. Sie stammt aus dem Jahr 1285. Der Bergfried der Burgruine ist sehr gut erhalten. Die knapp 100 Stufen erklimme ich auch noch und werde ich mit einem 360 Grad Rundumblick ins Nahetal belohnt.

Ein Wald, wie er im Buche steht

Buchwaldlärche ca.260 Jahre alt. Foto: Konrad-Funk http://naturfotografie-funk.de/

Der Radweg führt mich weiter in den Wald, genauer gesagt in den Buchwald zwischen Nohfelden und Türkismühle. Der Buchwald ist ein sehr schöner Bergmischwald. Alle Baumarten sind hier zu bestaunen in einem guten Mischungsverhältnis: Buche, Eiche, Fichte, Lärche und die Esche sind in dieser Talaue zu finden. Stolz und gut markiert mit Hinweistafeln stehen hier auch die mittlerweile über 260 Jahre alten Lärchen. Sie sind übrigens die ältesten ihrer Art im süddeutschen Raum. 50 Meter hoch ist auch eine 100jährige Douglasie. Mein Blick richtet sich auch auf eine stattliche Eiche. In der Klimaausstellung im Schaumbergturm Tholey habe ich mal gelesen, dass eine ausgewachsene Eiche mehr als fünf PKw`s wiegt. Nehmen wir an, sie hat 120.000 Blätter. So nimmt sie jedes Jahr 5.000 Kilogramm Co2 auf und gibt dafür 4.500 Kilogramm Sauerstoff zurück. Das ist so viel, wie elf Menschen im Jahr atmen.

Mein Etappenziel ist erreicht und ich wage einen Sprung ins kalte Nass, in den Bostalsee. Im letzten Jahr feierte er sein 40-jähriges Bestehen. Da war ganz schön was los, heute habe ich den See aber fast für mich alleine.

Bostalsee, Foto: Eike Dubois