Total verknallt in den Sommerwald

Wir sehen hier die Skulptur namens "Das Tor zum Saargau" das Foto machte Beatrix Leinen

Umgeben vom Scheidberg und Gallenberg liegt in einer Ebene der Ort Gisingen, der mit rund 330 m Höhe und seiner zentralen Lage das "Tor zum Gau" darstellt. Von hier aus könnte ich alle Dörfer des Saargaus gut erreichen und auch schwungvoll in das Niedtal hinabfahren. Ich fahre aber nicht hinab, denn heute wird auf dem Premiumwanderweg der Gisinger gewandert. Schon auf dem Wanderparkplatz, der gleichzeitig auch der Kirmesplatz ist, fällt mir auf, dass Gisingen ein ganz besonderer Ort ist.

Hier ist die Dorfgemeinschaft besonders aktiv. Ein Bücherhaus, eine Fantasiewand. Der Förderverein "Bewahren & Erneuern" Gisingen ist für alle Aktivitäten sowie Ideen rund um den Wanderweg zuständig. Überwiegend durch Leader-Fördermittel konnte der Verein viele seiner Ideen umsetzen und liebevoll  gestalten. Foto: Beatrix Leinen
Hier ist die Dorfgemeinschaft besonders aktiv. Der Förderverein "Bewahren & Erneuern" Gisingen ist für alle Aktivitäten sowie Ideen rund um den Wanderweg zuständig. Überwiegend durch Leader-Fördermittel konnte der Verein viele seiner Ideen umsetzen und liebevoll gestalten. Foto: Beatrix Leinen

Gisingen bietet neben den Wandermöglichkeiten auch ein ganz besonderes Angebot: Hier gibt es nämlich den ersten Golfplatz des Saarlandes. Dieser fügt sich mit seiner herrlich gepflegten Anlage nahtlos in das Ortsbild ein.

Notarielle Urkunden bestätigen den Weinanbau

Nach einem kurzen Teilstück der „Viezstraße“ (L352) in Richtung Sportplatz, biege ich nach rechts ab und gelange zu saftigen Wiesen entlang des Weinbachs. Der Name des Bachs verrät, in Gisingen wurde einst Wein angebaut. Wahrscheinlich ist den Römern die Einführung der Rebstöcke zu verdanken. Und im Mittelalter sorgten die Klöster wie Mettlach, Busendorf, Wallerfangen und Wadgassen für die weitere Ausbreitung des Weinbaus. Der eigene Verbrauch und der Bedarf an Messwein führten zur Anlage größerer Rebflächen in fast allen Ortschaften des Niedtales und des südlichen Gaues. Als Folge der Verwüstungen und Vertreibung der Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und während der Reunionskriege (ab 1679) kam es dann zu einem starken Rückgang der Weinanbauflächen. Notarielle Urkunden aus den Jahren 1627 und 1740 bestätigen offiziell den Weinanbau. Nach dem Anschluss an Preußen im Jahre 1815 förderte die preußische Regierung den Weinanbau sogar systematisch.

Herausgeber und Verleger dieser Karte sind nicht bekannt. Titel: Topographische Karte des Saargebiets im Königl. Preuß. Regierungsbezierke Trier 1832. Originalmaßstab: ca. 1:160000, Kartenspiegel ( B x H): 39,0cm x 38,0 cm, Wiedergabe:73% Quelle/ Fundort:  Landesarchiv Saarbrücken
Herausgeber und Verleger dieser Karte sind nicht bekannt. Titel: Topographische Karte des Saargebiets im Königl. Preuß. Regierungsbezierke Trier 1832. Originalmaßstab: ca. 1:160000, Kartenspiegel ( B x H): 39,0cm x 38,0 cm, Wiedergabe:73% Quelle/ Fundort: Landesarchiv Saarbrücken

Neben den Anbaugebieten im Niedtal gewannen Rebflächen und -hänge auf den Fluren des Gaues dann weiter an Bedeutung und in Gisingen wurde erneut Wein angebaut. Der Hansenberger Rotwein war ein fester Begriff zu dieser Zeit. Ab 1833 ging es dann wieder bergab mit der Weinproduktion: Absatzschwierigkeiten, Konkurrenzweine, schlechte Weinjahre und dann kam zu allem Übel noch die Reblaus, die die Wurzeln und Pflanzen des Rebstocks befiehl. Das Zwang die Gisinger zum Handeln. An die Stelle von Reben traten nun Obstbäume in Form von Streuobstwiesen. Sie wandelten die Weingärten also um in wesentlich ertragreichere Obstgärten. So werden wir bis heute mit dem Obst und mit dem Anblick wunderschöner Streuobstwiesen belohnt.

Ein Blitz und ein Wegekreuz

Nach Durchqueren eines kleinen Waldstückes gelangt man zu zwei Angelweihern. In dem angrenzenden jungen Waldstück steht das älteste Gisinger Wegekreuz aus dem Jahr 1807. Das Foto machte Beatrix Leinen
Hier zu sehen das älteste Gisinger Wegekreuz aus dem Jahr 1807. Das Foto machte Beatrix Leinen

Nach Durchqueren eines kleinen Waldstückes gelangt man zu zwei Angelweihern. In dem angrenzenden jungen Waldstück steht übrigens das älteste Gisinger Wegekreuz aus dem Jahr 1807. Obwohl es nur einige Meter neben dem Weg steht, bemerke ich es nur, weil ich danach Ausschau gehalten habe. Das Wegekreuz besteht aus einem Sockel in Form eines Kastenaltars und einem Kruzifix. Es ist aufgestellt als Bitte in Gefahr und Not zu helfen und Ausdruck von Volksfrömmigkeit. Zudem wurde es zur Erinnerung an ein besonderes Ereignis errichtet. Das Schriftfeld gedenkt dem Ackerer Johann Cavelius aus Gisingen. Bekannt ist, dass er trotz Ruhetag, sonntags immerzu gerne arbeitete. Trotz Warnungen, denn schließlich war bzw. ist der Sonntag der Tag des Herrn, ging er aufs Feld. Er wurde von einem Gewitter überrascht, stellte sich unter den Baum und wurde vom Blitz getroffen - genau an der Stelle, an welchem das Wegekreuz steht. Er verstieß also gegen die guten Sitten und bezahlte es mit seinem Leben. Den Blitzschlag sah man als Ausdruck einer höheren Macht.

Im Sommerwald

Nun steige ich an Bäumen und abwechslungsreichem Buschwerk vorbei zu den Höhen des Gallenberges, dem höchsten Punkt der Gisinger Gemarkung.

Wer aufmerksam ist, entdeckt entlang des Wegs viele Wildkräuter und Früchte des Waldes. Ich finde Giersch, Brennnessel, Spitzwegerich. Überall um mich herum kribbelt und krabbelt es. Es summt und brummt und flattert. Das Leben ist hier in vollem Gange. Eitel Sonnenschein hier, das gibt mir auch der Mistkäfer zu verstehen, er schwirrt fröhlich durch die Lüfte. Wenn ein Gewitter bevorstehen würde, hätte er sicher keine Lust auf Ausflüge, unter einem Blatt geschützt würde er dann den Tag verbringen. Seine feinen Nerven spüren kleinste Luftveränderungen.

Durch die dicht belaubten Bäume erblicke ich den strahlend blauen Himmel und der Weg führt immer höher hinauf und eröffnet mir dann einen Blick über die sanften Saargau-Hügelflächen bis über die Grenze nach Frankreich.

Das Bringwäänchen fotografiert von Beatrix Leinen sorgt für kulinarische Genüsse.
Das" Bringwäänche" - fotografiert von Beatrix Leinen - sorgt für kulinarische Genüsse.

Am Gallenberg, beim Modellflugplatz werde ich kulinarisch verwöhnt. Denn auch das "Bringwäänche" hat es bis nach hier oben geschafft und verwöhnt uns jetzt mit regionalen, kulinarischen Genüssen.Das Bringwäänchen ist bis Oktober Sonn- u. Feiertags anwesend, wenn es nicht regnet.
Serviert wird meistens Brote mit Petersilienpesto und Wildspezialitäten aus der Region sowie eine hausgemachte Süßigkeit.

Gestärkt geht´s am Modellflugplatz vorbei über den naturnahen Kalktrockenrasen an Streuobstwiesen hinab zum Buntsandstein des Gisinger Waldes. Hier empfängt mich eine geologische Besonderheit. Im Bachbett kann ich Steine, Blätter und Zweige entdecken, die von Kalkkrusten überzogen sind. Das Wasser kommt zum einen aus dem unteren Muschelkalk und zugleich aus dem oberen Buntsandstein. Beim Quellaustritt des Wassers erfährt dieses eine Erwärmung und gleichzeitig eine Druckentlastung, das hat zur Folge, dass gelöstes Kohlenstoffdioxid entweicht. Das chemische Gleichgewicht schwebt zunächst in Form von Teilchen im Wasser und setzt sich dann an Zweigen, Blättern fest.

Kalktufftreppe- ein herrlicher Platz zum Verweilen, mitten unter Bäumen und am Wasser zugleich. Das Foto machte Beatrix Leinen
Kalktufftreppe- ein herrlicher Platz zum Verweilen, mitten unter Bäumen und am Wasser zugleich. Das Foto machte Beatrix Leinen

Ich gelange zur Leitersteiner Quelle am Leitersteiner Born, diese diente als Viehtränke und war einst Waschbrunnen für die Gisinger. Ein Stück weiter begeistert mich ein riesengroßer, grauer Felsen aus Kalkstein. Dort befand sich einst eine Tropfsteinhöhle.

Nun bin ich am tiefsten Punkt angelangt und bevor es bergauf geht, mache ich kurz Rast an einer ehemaligen Kneipanlage. Frisch gestärkt gehe ich durch idylische Wald- und Wiesenlandschaften und gelange an einen Aussichtspunkt: Das müsste die Siersburg sein! Wie so oft in saarländischen Wäldern überquere ich Gemarkungsgrenzen, früher war hier die Staatsgrenze zur französischen Exklave Saarlouis. Über Streuobstwiesen erreiche ich nun einen Hohlweg mit altem Eichenbestand. Bemerkenswert, dass aus einer kleinen wenige Gramm leichte Eichel über Jahrzehnte ein tonnenschwerer Baum heranwächst. Alles was er braucht sind Luft, Licht, Minerale und Wasser. Von einem Förster habe ich einmal erfahren, dass sie in der Not als Hitzeschutz, um nicht zu vertrocknen, gekonnt ihre Zweige abwirft. 10% Prozent der Waldfläche in Deutschland bestehen aus Eichen. Im Saarland machte 2019 die Eiche sogar einen Flächenanteil von 21 % aus.

Sehenswert finde ich auch die Achtsamkeitsstelen am Wegesrand. Das Foto machte Beatrix Leinen.
Sehenswert finde ich auch die Achtsamkeitsstelen am Wegesrand. das Foto machte Beatrix Leinen.
Das ist ja einmal eine tolle Überraschung, hier wurde eine Naschhecke angelegt und viele der Früchte sind garantiert jetzt reif. Das Fot machte Frank Polotzek
Das ist ja einmal eine tolle Überraschung, hier wurde eine Naschhecke angelegt und viele der Früchte sind garantiert jetzt reif. Das Foto machte Frank Polotzek

An der Naschhecke
angekommen, greife ich doch gerne zu! So viel leckeres Obst von Johannisbeeren über Stachelbeeren, Himbeeren bis hin zu sogar Maulbeeren. Und alle reif! Sehr Lecker! Über den Oberlimberger Weg gelange ich wieder in den Ort auf die Gaustraße. Von dort sind es nur noch wenige Meter zum Wanderparkplatz.

Zusatztipp:

Lothringer Bauernhäuser entdecken, diese erinnern an das frühere Ortsbild von Gisingen. Besonders sehenswert das Haus Saargau.

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geschrieben von: sabine, am 04.08.2021

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