Tennis im Saarbrücker Schlossgraben

Er ist der älteste Tennisplatz in Saarbrücken und im Saarland. Glaubt man der aktuellen Forschung in Sachen Tennisspiel, dann handelt es sich beim Tennisplatz im Saarbrücker Schlossgraben sogar um den ältesten noch erhaltenen in Deutschland.

Spiel – Satz –Sieg

In der Zeit von 1550 bis 1787 wurde in deutschen Schlössern begeistert Ball gespielt. Hauptsächlich Adelige gingen der beliebten Sportart nach, die schon 1621 von G. Gummelzhaimer in seinem Werk „Gymnasma de exercitits academicorum“ zur Pflege der Gesundheit empfiehlt: Das Tennisspiel „trägt bei zur Gesundheit, vermehrt die Kraft und Behendigkeit des Körpers, erhöht die Gelenkigkeit des Körpers, es tritt dem Dickwerden entgegen, gefördert die Entleerung, bringt Augen, Kopf, Hände und Füße in schnelle und geschickte Bewegung und übt gleichmäßig den ganzen Körper. Sogar der Verstand, besonders der Studiosen wird durch das Ballspiel gefördert.“

Das Saarbrücker Ballhaus

Im Saarbrücker Schlossgraben des Renaissanceschlosses lies Graf Ludwig von Nassau Saarbrücken um 1610 ein Ballhaus errichten. Das überdachte Spielfeld hatte die ungefähren Ausmaße von 30 auf 10 Meter. Gespielt wurde unter anderem das Jeu de Paume-Spiel - eine Vorform des Tennis, wo ein Ball mit der Hand und später dann mit einem Schläger, über eine Kordel gespielt wurde. Die Spielregeln waren komplex, man sammelte Punkte beim Spiel gegen die Wand und auf Bande – wie beim heutigen Squash. Zudem musste man bestimmte Punkte treffen und der Ball durfte nur eine vorgegebene Anzahl von Bodenkontakten erreichen.

In den Schriften zum Saarbrücker Schloss finden sich auch Angaben zu einem Ballhausmeister, den wir heute als Trainer bezeichnen würden. Er hieß Jean Tacion und unterrichtete die Söhne des Grafen im Ballspiel. Rechnungen über Bodenpfatten und Fackeln für das Ballhaus sind ebenfalls erhalten.

Besucher auf dem Tennisfeld im Saarbrücker Burg- und Schlossgraben. Foto Oliver Dietze, Historisches Museum Saar
Besucher auf dem Tennisfeld im Saarbrücker Burg- und Schlossgraben. Foto Oliver Dietze, Historisches Museum Saar

Einzigartiger Fund

Heute sind im Saarbrücker Schlossgraben, der für Besucher im Rahmen eines Besuchs im Historischen Museums Saar besichtigt werden kann, noch die Boden- und teilweise auch Seitenplatten des Ballhauses erhalten geblieben.

Und dieser Fund ist in Deutschland einzigartig, denn die Ballhäuser machen sich in unserer Zeit sehr rar. Lediglich in Großbritannien, der Wiege des Tennissports, ist in Falkland Castle der älteste Tennisplatz der Welt zu finden. Die große Tradition des Ballspielens im 18. Jhd wurde schwächer und man nutzte die Spielflächen zum Tanzen. Die meisten Ballhäuser wurden abgerissen oder für die neue Leidenschaft der adeligen Gesellschaft umfunktioniert. Das Ballhaus wurde zum Theater.

Das gesamte Tennisfeld im Saarbrücker Schlossgraben kann heute allerdings nicht mehr bespielt werden, da ein zu den Wachhäusern des Barockschlosses gehörendes Verlies in den Burggraben gebaut wurde: Aus heutiger Sicht mitten auf den Tennisplatz!

Diese Tatsache stört das Saarbrücker Schlossgespenst recht wenig. In der Nacht schlägt es gerne mal ein paar Bälle gegen die Wand und träumt von Ballhauszeiten im Saarbrücker Schloss.

Das Schlossgespenst spielt im Schlossgraben Tennis. Natürlich ganz in weiß, wie es sich gehört. Foto: Oliver Dietze, Historisches Museum Saar
Das Schlossgespenst spielt im Schlossgraben Tennis. Natürlich ganz in weiß, wie es sich gehört. Foto: Oliver Dietze, Historisches Museum Saar

geschrieben von: susanne, am 03.07.2019

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Kommentare

  • Ronny Schneider

    • vor 10 Monate
    Hallo Susanne,

    das wäre zumindest ein sehr interessanter Ort für ein Tennismatch. Wenn es den Platz noch geben würde. Ich hätte es auf jeden Fall versucht. Bin als Hobby- und Turnierspieler für alle Schandtaten zu haben. ;)

    Die Lokation sieht ziemlich cool aus. Und Tennis wurde ja bereits im 19. Jahrhundert in der heutigen Form gespielt. Früher allerdings auf anderen Belägen. Die Bälle sahen ebenfalls etwas anders aus.

    Ich selbst erfreue mich immer an unseren jährlichen Ausflüge in Tennishotels. Sprich Hotels mit einem Tenniscourt, der genutzt und gebucht werden kann. Im Verein haben sich diese Trainingslager nämlich 2 x pro Jahr etabliert. Um uns auf die Sommer- und Wintersaison vorzubereiten. Beide Wechsel haben nämlich so ihre Tücken, die einen sanften Übergang benötigen. Wer direkt in die Punktspiele startet, hat da einfach viele Nachteile.

    In einem meiner Artikel hatte ich darüber berichtet: https://www.sandplatz-tennis.de/438/vorbereitung-auf-die-sommer-saison/

    Heute möchte ich das Zusammensein mit den Jungs im Trainingslager nicht mehr missen.

    Wir haben nämlich nicht nur auf dem Platz sehr viel Spaß. Abseits davon ging es ebenfalls heiß her. Beim Tischtennis, Kickern, Billard oder beim Fussball schauen in der Hotelbar oder einem Restaurant.

    Je nachdem wann und wo wir weg waren, haben wir uns natürlich auch die Gegend etwas angesehen. So kann das Trainingslager gleich mit einem Urlaub verbunden werden. Der ein wenig Kultur ja nicht grundsätzlich ausschließt.

    Viele Grüße
    Ronny

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