Ich rieche gerne an Blumen. Ich mag den Duft von Regen, den frischen Windstoß. Und ich mag Menschen, die ich gut riechen kann. Das Parfüm spielt dabei keine Rolle. Ich finde an der Redewendung „ich kann dich gut riechen“ ist definitiv etwas dran.

In meiner Nase steckt er noch, der Geruch. Ich kann es noch ziemlich genau riechen.

Sicher riecht jeder anders, aber manche Gerüche sind eindeutig. In der Ausstellung von Heribert Friedl, die derzeit in der Stadtgalerie Saarbrücken gezeigt wird, geht es um unsere sinnlichen Fähigkeiten. Unsere Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was uns die digitale Welt suggeriert. Er zeigt zwei Arbeiten, die sich an der Grenze der visuellen Wahrnehmbarkeit bewegen. Ich frage kritisch ist das Kunst?

Die erste Arbeit, „La Ville c´est moi“, ist eine Rauminstallation. Sie zeigt viele Kleidungsstücke. Die Kleidungsstücke sind entsprechend zusammengefaltet, übereinander geschichtet, unterschiedlich hoch gestapelt und sorgfältig im Raum angeordnet. Manche Kleidungsstücke erzählen von sich. Sie geben Hinweise auf Hobbys, sie machen einen regionalen Bezug möglich, durch einen Schriftzug. Auch die Stoffe drücken etwas aus. Eher weiblich oder männlich, manche geben Hinweise finanzieller Art. Der Besitzer war reich, der andere eher arm. Ich rieche. Nicht zu jedem Duft habe ich eine Erinnerung, bei manchem Kleidungsstück rieche ich gar nichts. Ich rieche einen Pullover, der vermutlich in einer verrauchten Bar getragen wurde. Wieder ein Anderer ist frisch gewaschen. Es ist passiert, ich verknüpfe den Geruch mit einem Ereignis. Ich interpretiere die Kleidungsstücke nach meiner Vorstellung. Friedls Kunst basiert auf dieser wissenschaftlichen Erkenntnis, dass wir visuelle Erlebnisse mit bestimmten Gerüchen verbinden.

In der zweiten Arbeit „nonvisualobjects“ von Heribert Friedel sieht man nur einen dezenten Schriftzug an der Wand „ SARABRIGA“, der keltische Namen von Saarbrücken. Ich darf an den einzelnen Buchstaben reiben, durch das Reiben wird ein Geruch freigesetzt. Eine Stelle riecht wirklich unangenehm. Es stinkt fürchterlich. Eine andere Stelle riecht nach Farbe auch Verdünnungsmittel rieche ich. Eine Stelle duftet besonders. Hier riecht es gut. Ich bleibe dort. Es riecht wie bei meinem erholsamen Wellnessbesuch der Saarland Terme. Genau wie in der Sauna beim Eukalyptusaufguss.

Ich bin nun felsenfest davon überzeugt. Ja diese Arbeiten sind Kunst!

Ein fast leerer Raum mit einem dezenten Schriftzug, welcher unterschiedlich duftet, davon nur eine winzige Stelle, die mich in die Saarland Therme reisen lässt. Mein erlebter Moment wird durch „nonvisualobjects“ von Heribert Friedel wieder hervorgerufen. Vielen Dank für den Prozess und das Bewusstwerden, wie der Geruch mit unseren inneren Bildern in Verbindung steht. Sicher denke ich nun beim nächsten Besuch der Saarland Therme auch an Heribert Friedl und seine besonderen Arbeiten. Toll, wie Kunst riechen kann.