Diese Frage stellt sich mir jedes Jahr um die Weihnachtszeit. Warum dürfen Mädchen nicht mit der Modelleisenbahn spielen? Lange Zeit dachte ich, es liegt in unserer Familie begründet und hat mit dem Verhalten einzelner weiblicher Mitglieder zu tun. Genauer gesagt mit meiner Oma, die in meiner Kindheit am ersten Weihnachtsfeiertag nach dem großen Mittagessen beim Abräumen des Tisches auf die Gleise der Modelleisenbahn geraten ist. Die sensible Materie hatte nun einen gewaltigen Knick und die Stimmung der Männer und Jungen war auf dem Tiefpunkt. Die Anlage wurde wieder flott gemacht, aber es kam an besagter Stelle öfters zu Entgleisungen, die immer wieder auf den Fehltritt meiner Oma hinweisen wollten.

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Mit den Jahren wurde mir klar, auch andere Mädchen durften nicht mit der Modelleisenbahn spielen. Da bin ich nicht alleine. Alle, mit denen ich gesprochen habe, hatten klares Modelleisenbahnspielverbot. Ich habe mich nun mal bei den professionellen Modelleisenbahnern im Saarland umgehört, wie es in den Vereinen so aussieht mit den Frauen. Ja, die gibt es bei uns. Frauen sind gerne gesehen bei den Profis, denn sie sind die besten Geländebauer! Ach! Ja, Frauen bauen wunderbare Landschaften, kleine Bauernhöfe mit viel Vieh, Parklandschaften, Kirmesplätze, Einkaufsstrassen… je komplizierter desto besser. Und dann kam der entscheidende Satz: Viele Frauen übernehmen, nachdem der Mann verstorben ist, die Anlage!

Aha! Alles klar!

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Ein langer Weg für uns Mädchen und Frauen, bis wir endlich ran an die Gleise und die Züge über Schienen schicken dürfen.

Und hier ein Vorweihnachtstipp für alle Alterstufen und Geschlechter: Es gibt im Saarland noch eine einizge Modelleisenbahn, die durch verschneite Winterlandschaft fährt. Zu finden ist die Rarität in der Sparkasse Saarbrücken am Neumarkt. Hier kann man rund um die Uhr bis Mitte Januar das Bähnchen im Schnee fahren sehen. Wie romantisch, nostalgisch und schön!

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Fotos: Sparkasse Saarbrücken.