Meteorologisch hat er bereits am 1. September begonnen; kalendarisch fiel der Beginn auf den 22. Tag des gleichen Monats. Für mich persönlich findet der Herbst dieses Jahr jedoch überhaupt nicht statt.

Keine Äpfel, kein Herbst!

Der Herbst ist für mich nämlich die Zeit der Äpfel. Was gibt es Leckereres als einen saftigen Apfelkuchen oder lauwarmes Apfelmus mit einem Hauch von Zimt, um sich das Ende des Sommers zu versüßen? Natürlich mit Äpfeln aus meinem Garten. Dieses Jahr sieht es aber gar nicht gut aus für diese Köstlichkeiten mit Obst aus der Region. Die Ernte fällt im Saarland mäßig bis mau aus. Wir können uns alle noch daran erinnern: Der Frühling war zu kalt, zu nass und der Sommer durchwachsen. Die Blüten hat es voll erwischt. Auch in meinem Garten haben die zwei Apfelbäume außer Laub nichts zu bieten.

Vor einigen Tagen war ich im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau unterwegs, das unter anderem für seine Streuobstwiesen bekannt ist. Wie sieht es dort aus mit der Ernte?

Der kleine Landstrich an der Grenze zu Frankreich beginnt direkt hinter Saarbrücken. An der Autobahn heißen braune Tafeln die Autofahrer im Bliesgau willkommen. Es überrascht mich immer wieder, wie schnell man die Autobahn und die Stadt hinter sich lässt. Ich fahre auf kleinen Straßen zwischen Feldern und Dörfern, an Buchenwäldern, Wiesen und Hecken vorbei. Am Wintringer Hof markieren prächtige Kürbisse die Einfahrt.

Leider erstreckt sich die verträumte Landschaft unter einem grauen Himmel.

 

 

Streuobstwiesen Bliesgau Bliesransbach Saarland

Direkt hinter Saarbrücken beginnt der Bliesgau

Kaum 20 Minuten später bin ich schon am Ziel in Bliesransbach, einem Gemeindeteil von Kleinblittersdorf. Einmal rechts und gleich wieder rechts – ein unscheinbarer Weg geht ab. Zum Glück steht es ausgeschildert: Streuobstlehrpfad. Hier bin ich richtig.

Streuobstwiesen für jedermann

Am Sportplatz erwartet mich bereits Ortsvorsteher Günter Lang. Unser Ziel: die kommunalen Streuobstwiesen. Es sind die größten des Landes mit hunderten von typischen Hochstämmen auf knapp fünf Hektar; Äpfel, Birnen, Mirabellen, Zwetschgen und sogar Walnüsse und Mispeln wachsen und reifen hier Jahr für Jahr.

Streuobstwiesen Bliesgau Saarland

Botschaftter seiner Region: Günter Lang

Wer diese Bäume vor über hundert Jahren angelegt hat, ist leider nicht bekannt, so Günter Lang, der seit über zwanzig Jahren Ortsvorsteher ist. Sie waren gedacht für Familien ohne eigenen Garten, die sich hier mit Äpfeln und mehr versorgen konnten. Deshalb findet seit jeher im Herbst eine Versteigerung statt, erinnert sich Lang, Jahrgang 1942. Bäume- bzw. Reihenweise kann jeder mitbieten – ab fünf Euro. „Weil es dieses Jahr kaum Obst gibt, rufen besonders viele Leute an“, erzählt Ortsvorsteher Lang, „aber auch bei uns tragen die Bäume kaum Obst“. Es stimmt: Viele Bäume tragen nur Laub, aber dazwischen überraschen uns einige Bäume mit Äpfeln oder Birnen.

Streuobstwiesen Bliesgau Saaralnd

Laub, Laub und noch mal Laub

 

Streuobstwiesen Bliesgau Saarland

Hier und da tragen die Bäume Obst

 

treuobstwiesen Bliesgau Saarland

Eine feine Adresse für Bienen

Streuobstwiesen, erfahre ich, sind mehr als eine besondere Form der Obstplantage. Sie sind auch das Zuhause für viele seltene Tiere, wie den vom Aussterben bedrohten Steinkauz.

 

Streuobstwiesen Bliesgau Saarland

Ein Zuhause für den Steinkauz

Bliesransbach pflegt seine Schätze für die kommenden Generationen. Der Bauhof mäht die Wiesen unter den knorrigen Stämmen; an einer anderen Stelle behaupten sich junge Pflanzungen. An Bäumen hängen Nistkästen. Ohne Hilfe ist es jedoch nicht zu machen. So hat sich in der Familie Bubel das Engagement für die Streuobstwiesen vom Vater auf den Sohn Hermann „vererbt“. Der Regionalverband Saarbrücken, Sponsoren aus der Wirtschaft, der Obst- und Gartenbauverein, der Biosphärenzweckverband sowie der NABU tragen ebenfalls zum Erhalt bei.

Das harmonische Miteinander von Mensch und Natur, darum geht es in der Modellregion Biosphärenreservat Bliesgau. Hier wird es gelebt.

Wer nicht wie ich einen kundigen Führer hat, dem empfehle ich den Streuobstlehrpfad mit seinen Infotafeln: Sie erklären in Wort und Bild alles rund um Früchte und Bäume.

Einige Tage nach meinem Besuch wurden die Bäume bzw. die Ernte ersteigert. Ohne mich, ich war leider an dem Wochenende nicht im Land  – aber: Meine Freundin Helene hatte Mitleid mit mir und mich zum Kaffee und Streuselkuchen mit Äpfeln eingeladen. Sie gehört zu den Glücklichen mit Äpfeln im Garten.

Das hat mir doch den Herbst gerettet.