Ich habe eine Freundin namens Daniela, sie wiederum hat eine Freundin namens Anne. Diese Freundin namens Anne lebt mit ihrer Familie im Ort Werschweiler. Und Anne hat eine Tante namens Adelinde Wolff. Und die lerne ich heute kennen.

Annes Sohn Maximilian öffnete mir strahlend die Tür. „Wieso strahlst du so?“, fragte ich ihn.

„Ich freue mich. Dieses Jahr mache ich wieder mit beim Péngschtkwaak!“

„Bei was?“ hake ich nach. „Schon seit vielen Generationen gehen wir Jungs an Christi Himmelfahrt Buchenreiser schneiden. Daraus flechten wir ein Korbgestell. Das stellen wir dann bis Pfingstsonntag an einem kühlen Ort. Zwischendurch schauen wir nach und drücken das Korbgestell immer wieder fest zusammen, damit es stabil wird. Wir haben aber noch Weiteres zu tun. Wir müssen auch noch Hubberde und Tarraatschen herstellen“.

Hubberde? Tarraatschen? Ich verstehe nur noch Bahnhof.

„Meine Mama kann dir das ganz genau erklären“, meint Maximilian. Anne zeigt mir das Buch „Onnser dääschlisch Broot“, das ihre Tante Adelinde geschrieben hat.  Zudem verrät Anne mir, dass sie selbst für die Bebilderung zuständig war.

Volltreffer! Informationen aus erster Hand ;-))

Anne erklärt und zeigt: „Hier habe ich die Tarraatsche gezeichnet“.

Die Tarraatsche ist ein Musikinstrument. Je nachdem wie groß sie ist, sind die Töne hoch oder tief. Sie ist eine aus Erlenrinde gewickelte Tröte. Und in so eine Tarraatsche kommt dann ein Hubbert. Der Hubbert ist das Mundstück für die Tarraatsche und wird aus der Rinde eines jungen Weidenästchens hergestellt.

Tante Adelinde ist für mich ein Glückstreffer!

Adelinde weiß viel Saarländisches, besonders aus dem Ostertal zu berichten.
Ich darf Platz nehmen in ihrer gemütlichen Küche und schnell ist klar, Adelinde ist Saarlandfan wie ich. Schnell sind wir per du und ich bin ganz Ohr.

Anne, Maximilian und Adelinde

Adeline berichtet, dass am ersten Pfingsttag die unterschiedlichsten Blumen gesammelt werden. Damit besteckt man das Korbgestell und obendrauf kommt ein Fichtenkrönchen mit bunten Papierbändern. Der Pfingstquack ist nun fertig.

Der Pfingstquack!

An Pfingstmontag ist es dann soweit: Der Pfingstquack kommt zum Einsatz. Die Jungs ziehen dann durch die Straßen. Sie machen Musik mit den Tarraatschen und sammeln Eier, Butter, Speck und Geld, das sie später unter sich aufteilen. Die Jungs sind mächtig stolz auf ihren Pfingstquack und freuen sich, wenn manch einer sogar  ein Foto macht. Die ältesten Jungs aus dem letzten Jahrgang nennt man übrigens Quackherren. Sie bauen auch das Korbgestell.

„Und die Mädchen? Sind die nicht neidisch?“, frage ich.

Nein Sabine, die waren doch schon Wochen zuvor tätig. Die hatten ihre große Freude beim Maisingen. Da tragen die Konfirmandinnen (heute natürlich auch Kinder anderer Konfessionen bzw. Glaubensrichtungen im entsprechenden Alter) am ersten Mai einen geschmückten Birkenbaum durch den Ort und singen gemeinsam mit den jüngeren Mädchen alte Volksweisen und Lieder. Schon Monate vorher werden die Lieder extra einstudiert. Sie sammeln Butter, Eier und Speck oder Süßigkeiten von den Dorfbewohnern. Den Abschluss des Maisingens bildet das „Eierbacken“. Die Eltern der ältesten Mädchen richten ein gemeinsames Essen für die Kinder aus, bei dem die gesammelten Eier mit Butter und Speck zubereitet werden. Und dann isst man gemeinsam.“

Ich schaue in strahlende Gesichter.Herrlich! Und auch ich strahle. Welch besondere Traditionen es gibt in Werschweiler. Besonderer Dank an Adelinde, Anne, Maximilian und Daniela. Fest steht, ich komme gerne wieder ;-))

Fotos und Zeichnungen: Anne Flottmann-Stoll