Wie viel brauche ich so zum Leben? Mich interessiert jetzt gar nicht das Geld, die Versicherungen, die Fonds, nein. Mich interessiert die Kleidung als Teil der materiellen Kultur.

Genauer gesagt die Unterwäsche.

Die Männerunterhose

Mein Interesse für das Thema begann mit einer Männerunterhose, die eigentlich gar keine Unterhose ist. Heute würde man das Modell THREE IN ONE nennen. Um 1850 war das Kleidungsstück Hemd, Nachthemd und Unterhose in Einem. Der nicht adelige Mann trug in dieser Zeit noch keine Unterhosen und hatte maximal 2 dieser THREE IN ONE Modelle.

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Rosel Böhmer, Museum für Mode & Tracht in Nohfelden markiert die Tragweise unter der Hose, was ja schwer darstellbar ist. Nun ist auch klar, wo die Redensart “Mach dir nicht ins Hemd” herkommt.

Die Frauenunterhose oder Wer hat hier die Hosen an?

Und da die Hose schon immer ein Symbol der Männlichkeit war, waren Unterhosen für Frauen verboten. 1807 ging man sogar soweit, die Unterhose der Frau als “unanständige Sprechart” zu bezeichnen. Die Ärtzeschaft warnte zudem vor Unterhosen für Frauen und so entstand ein Modell, das im Schritt offen war und das man Beinkleid nannte.

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Der Pariser Cancan wurde um 1840 getanzt. Die Damen trugen das geschlitzte Beinkleid, daher der Kampf, um den Platz in der ersten Reihe und die Schließung des Lokals 1857. Im Moulin Rouge wurde ab 1889 mit zugenähtem Schlitz getanzt.

Die Unterhosenfrage ist erst mal geklärt. Rosel Böhmer führt mich mit Begeisterung durch das Museum für Mode &Tracht in Nohfelden, auf Anfrage trägt sie bei Führungen auch gerne ein Kostüm aus dem reichen Fundus. Rund 3.000 Kleidungsstücke besitzt das 2005 gegründete Museum. Der saarländische Volkstanz-und Trachtenverband sammelt, dokumentiert und präsentiert hier Kleidung der Vorfahren und wird dabei von der Gemeinde Nohfelden tatkräftig unterstützt.

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Der größte Feind der Sammlung: Die Kleidermotte! Säurefrei Kartons und Zedernholzringe haben bis dato gute Arbeit geleistet.

Das Museum geht der Frage nach, ob es im Saarland überhaupt eine Tracht gab und erzählt aus dem Leben der bäuerlichen und bergmännischen Bevölkerung. Wirklich spannend, was es da so zu erfahren gibt. Die Fotos meiner Großeltern erwachen zum Leben und ich verstehe, warum meine Oma aussah, als wäre sie schon Witwe, wo es doch ihr Hochzeitsfoto ist.

 

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Geheiratet wurde im schwarzen Kleid. Da die Frauen nach der Kleiderordnung des 19. Jahrhunderts keine weissen Kleider nach der Eheschließung mehr tragen durften, war die Entscheidung für das schwarze Brautkleid eine finanzielle Frage. Das gute Stück konnte dann zu allen feierlichen Anlässen ein Leben lang angezogen werden.

 

Die modische Verpackung des eleganten Herrn

So heisst die aktuelle Sonderausstellung, die noch bis Ende Januar 2017 zu sehen ist. Das Museum hat sich mit den Dresscodes der Herren zu verschiedenen Zeiten beschäftigt. Der Schwerpunkt liegt hier klar auf der Oberbekleidung. (Die Unterbekleidung wäre bestimmt auch eine Sonderausstellung wert). Vom Frack und Gehrock, Cut und Cutaway bis zum Smoking, Jackett und Sakko durch die Jahrzente, durch die Moden. Dazu gibt es die fundierten und humorvoll präsentierten Fakten zur modischen Verpackung der Herren. Das macht Spaß!

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Model Robert Herrler präsentiert einem Kombinationsanzug-mitte-ende der 70er. Foto: Josef Bonenberger (B&K)

Wieviel Unterhosen hat der /die Deutsche im Schrank oder in der Schublade?

Ich beginne zu recherchieren und stoße im Web auf unterschiedliche Aussagen: die Spannweite reicht von 10  bis zu 100 Unterhosen bei Frauen.

Männer besitzen oft noch mehr: 30 bis120. Ich bin beeindruckt.

In persönlichen Gesprächen scheinen sich die Aussagen zu bestätigen und werden konkreter: Männer besitzen zwischen 15 und 40 Unterhosen, die meisten Frauen können auf 30 bis 40 Unterhosen zurückgreifen. Beide Geschlechter tragen gerne unterschiedliche Farben, bevorzugt aber weiss und schwarz. Vereinzelt  können Frauen auch ganz klar den Inhalt ihrer Unterhosenschublade benennen: 10 Kaputte als Reserve, 15 Gute, 1 für besondere Anlässe, alle in der Farbe Weiß.

Das Museum für Mode & Tracht inklusive kleinem Museumsshop hat Mittwoch und Sonn-und Feiertags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Gruppenführungen sind nach Vereinbarung außerhalb der Öffnungszeiten gerne möglich.