Klein mit perfekten Rundungen, zucker-süß, blond, manchmal mit kleinen Sommersprossen und roten Bäckchen – eine wahre Schönheit ist sie: die Mirabelle. Als Steinobst versteckt sie jedoch einen harten Kern: Dieser steht dem Genuss im Weg und muss vor dem Verarbeiten zu Kuchen, Fruchtaufstrich oder Chutney raus.

Her mit dem Obst

Hier komme ich ins Spiel, zumindest heute bei Christel Breyer von MaLis Délices unweit der französischen Grenze: Ich darf ihr über die Schulter schauen und ihr helfen, Mirabellen zu verarbeiten. In ihrer Manufaktur auf dem Gut Hartungshof mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau stellt sie Marmeladen, Gelees, Fruchtaufstriche und Pesto her, setzt Liköre und Essige an. Viele Früchte stammen aus heimischen Streuobstwiesen und Feldern.

 

Einladend: Christel Breyers Hofladen

Einladend: Christel Breyers Hofladen

„Wir kochen in kleinen Mengen, nach traditioneller Art, ganz wie zu Omas Zeiten. Jedes Glas wird per Hand befüllt und verschlossen – da steckt Liebe drin!“

 

 

Leckereien à la MaLis Délices

Leckereien à la MaLis Délices

 

Vor mir: mein Werkzeug, ein kleines Küchenmesser ein „Kneipchen“, wie man im Saarland sagt, und Mirabellen. Ich mache mich an die Mirabellen ran. Meine Finger kleben vom Saft; die Mirabellen sind nicht nur sehr saftig, sondern schmecken sehr lecker.

Gucken und kaufen

Währenddessen entsaftet meine „Chefin für einen Tag“ eine Menge Schlehen mit der Flotten Lotte. Was wird sie daraus machen? Das bekomme ich heute nicht mehr mit. Denn: Sie beginnt jetzt mit der Produktion ihrer “Mirabelle mit Rosmarin“. Es blubbert, es duftet – die Rosmarinzweige bringen einen Tick Süden durch die Küche.

Mirabellenaufstrich mit RosmarinDSC_0673Christel Breyer und ihre Flotte LotteMirabellen-Aufstrich mit Rosmarin

DSC_0678DSC_0680DSC_0681Mirabellen-Aufstrich mit Rosmarin
Beim Arbeiten kommt man leicht ins Gespräch: Das hatte ich bei meinem Besuch für den Blog bei Frau Dumont von Fruchteria auch erlebt. So kommt es, dass Christel Breyer mir von ihren Anfängen daheim erzählt:  In der eigenen Küche verarbeitete sie Früchte aus dem Garten und aus denen von Freunden zu Marmeladen und Likören – daher stammt auch der Name MaLis; der Zusatz Délices steht für Genuss auf Französisch.
Damit ging sie auf Märkte in der näheren Umgebung, 2009 war sie erstmals auf der Slow Food Messe in Stuttgart vertreten und überzeugte Feinschmecker und Naschkatzen auch außerhalb des Landes. In diesem Jahr hat eine internationale Jury aus Michelin-Stern-Chefköchen und Sommeliers aus 17 verschiedenen Ländern ihr Walnuss-Pesto bei einer Blindverkostung mit zwei Sternen beurteilt. Kürzlich ist sie außerdem als Biosphärenpartner ausgezeichnet worden.

Mittlerweile betreibt sie  gemeinsam mit der Bliesgau-Ölmühle einen Hofladen, in dem sie auch produziert. Gläserne Produktion sozusagen: Die Kunden können sehen, dass sie auf traditionelle handwerkliche Art arbeitet – immer in kleinen Mengen und von Hand. Außerdem werden alle Produkte ohne Geschmacksverstärker, ohne Farbstoffe und mit reduziertem Zuckeranteil zubereitet. Nicht nur schauen ist möglich: Wer will, kann auch eine Verkostung für eine Gruppe von acht bis 15 Personen buchen.

Ich bin mit den Mirabellen fertig: Mit dem „Kneipchen“ habe ich schließlich 1,4 Kilo Mirabellen entsteint.

 

Ein Superteam: Mein "Kneipchen" und ich

Ein Superteam: Mein “Kneipchen” und ich

 

In der Zwischenzeit kommt ihr Mann Wolfgang mit Kuchen vorbei. Er berichtet von seinen Erfahrungen auf französischen Märkten. Dort kommen Mirabellenchutney sowie Käsebegleiter sehr gut an – allerdings essen die Franzosen die Kreationen seiner Frau eher zu Foie Gras als zu Käse. Motiviert nach einem Stück Kuchen geht es für mich ans Etikettieren: Obwohl ich nicht für filigrane Handarbeit bekannt bin, habe ich doch über 30 Gläser „Erdbeere mit weißer Schokolade“ geschafft.

Mein Tipp: Auf dem Gut Hartungshof gibt es genug zu entdecken – von Naturkosmetik bis zu einer Orgelmanufaktur. Bringen Sie genug Zeit mit für einen kleinen Rundgang.

Rezept für Fruchtaufstrich: Mirabellen mit Rosmarin

  • 1 kg Mirabellen
  • 100 ml Weißwein
  • 500 ml Zitronensaft
  • 500 g Gelierzucker 2:1
  • 1 Zweig Rosmarin

Mirabellen entsteinen. Aufkochen mit dem Weißwein und dem Zitronensaft. Die Masse durch die Flotte Lotte pürieren und wieder auf den Herd stellen. Erst dann Rosmarin und Zucker hinzufügen. Wenn die Masse zu kochen beginnt, den Rosmarin entfernen und eine Minute köcheln lassen. In Gläser abfüllen, Deckel sofort schließen und für kurze Zeit “kopfüber”  stellen.

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: 10.00 bis 12.00 Uhr und 15.00 bis 17.00 Uhr
Samstag      10.00 bis 12.00 Uhr
(und nach Vereinbarung)

Im Zeichen der Mirabellen: Mein Hefekuchenrezept

Wie der Zufall es so will, bekomme ich von meiner Freundin Gabi Mirabellen aus dem Garten ihrer Mama. Ich würde gerne das Rezept nachkochen, habe leider keine Marmeladengläser vorrätig. So entscheide mich, einen Mirabellenkuchen zu backen. Hier mein Rezept für einen Kuchen (Ø 28 cm) :

  • 1/8 l Milch
  • 1 Tüte Trockenhefe
  • 30 g Butter
  • 250 g Mehl
  • 40 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • Butter für die Form
  • 800 g Mirabellen entsteinen

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Milch erwärmen und Butter schmelzen. Mehl, Zucker, Hefe, Salz und Zucker vermischen. Milch und Butter dazu geben und kneten. Den Teig an einem warmen Ort zugedeckt aufgehen lassen. Danach wieder kneten. Form einfetten und Teig auslegen. Mit den Mirabellen belegen und wieder gehen lassen. Ab in den vorgeheizten Backofen (180 Grad) für eine gute halbe Stunde.