Ob heute überhaupt noch jemand Briefmarken sammelt? Ich fürchte, die Briefmarke ist im wahrsten Sinne schon fast ganz abgestempelt. Die Gründe sind uns allen wohl bekannt. Social Media, SMS und E-mail…

Früher war das anders.

Auch ich bekam damals ein Sammelbuch für Briefmarken geschenkt.

Man sammelte Briefmarken aus Leidenschaft und als Wertanlage. Eine Sammelleidenschaft hatte auch der Unternehmer Hans Paul aus Ottweiler. Er begann nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Sammeln. Sein Ziel: Möglichst ein Exemplar jeder Saar-Briefmarke aus der Zeit von 1947 bis 1959.

Wertverfall und Glücksfall.

Der Wert der Briefmarke ist bis heute immer mehr gesunken. Großartige Sammlungen waren und sind einem riesigen Wertverfall ausgesetzt. Im Gegensatz zum sonst aktuellen Trend ist die Sammlung von Hans Paul jedoch ein Glücksfall: Für ihn und vor allem für uns Saarländer. Hans Paul hat dem Historische Museum Saar, stellvertretend an Museumsleiter Simon Matzerath, seine über Jahrzehnte zusammengetragene, wertvolle und vollständige Sammlung von Saar Briefmarken geschenkt.

Diese Sammlung spiegelt die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen des Saarlandes wieder. Die Briefmarken nehmen Bezug auf saarländische Ereignisse vom Zeitraum 1947 bis 1959. Zudem wurden die Saar Marken besonders ansprechend und aufwändig gestaltet. Sie waren Botschafter des Saarstaates und sollten die damalige Eigenständigkeit würdevoll unterstreichen.

Sensationell, das Saarland hatte eigene Briefmarken.

Hier eine Auswahl der hochwertigen Sammlung:

Am 5. Juli 1951 erhielt das Komitee des Saarlandes die offizielle schriftliche Einladung zur Teilnahme an der Olympiade 1952 in Helsinki. Das Saarland nahm mit eigener Mannschaft daran teil.

Ein sehr seltenes Exemplar ist diese Sondermarke: Hochwasserhilfe 1947-48. Der Pegelstand der Saar betrug am 30.Dezember 1947 in Saarbrücken satte 1026 cm.

Diese Briefmarken dokumentieren die Aufnahme des Saarlandes als assoziiertes Mitglied des Europarates 1950.

Schon damals fanden im Saarland sportliche Großereignisse statt. Diese Briefmarke erschien am 28. Februar 1955 anlässlich der Querfeldein-Radweltmeisterschaft in Saarbrücken. Die Briefmarke zu 15 Franc zeigt einen Radrennfahrer und die Flagge des Saarlandes.

Die Saarfrage störte seit 1950 die westeuropäische und atlantische Integration, denn sie verhinderte eine deutsch-französische Verständigung. Eine Lösung musste her. Am 23.10 1955 fand ein >Referendum über das Saar Statut< statt.

 

Aber auch Briefmarken mit wichtigen Personen oder Ansichten von Eisenhütten, bekannten Bauwerken und Landschaften sind in der Sammlung zu bewundern.

Nachdem das Saarland politisch am 1. Januar 1957 und wirtschaftlich am 5. Juli 1959 zur Bundesrepublik Deutschland rückgegliedert wurde, gab es keine Saar-Marken mehr. Es wurden fortan im Saarland auch die Briefmarken der Bundesrepublik Deutschland verwendet.

Wer mehr zur spannenden Geschichte des Saarlandes erfahren möchte, dem sei das Historischen Museum Saar in Saarbrücken empfohlen.