Einen besonderen Geschmack wiederzufinden, das kann ein ganzes Leben prägen und bewegen. Manch einer wurde nur deshalb Koch oder gar Spitzenkoch, um die Geschmäcker der Kindheit wiederzufinden. Das Mittagessen bei der Oma, der Kuchen der Tante, der Kartoffelsalat von Mama, die Weihnachtsplätzchen …

Mich beschäftigt derzeit auch ein Geschmack. Kürzlich, noch gar nicht lange her, da reichte mir Gästeführer Klaus Friedrich bei einer Stadtführung durch das barocke Saarbrücken in einer kleinen Tüte „Weingebackenes“. Interessant! Ich greife in das Tütchen und teste.

 „So schmeckt Barock!“,

kommentiert Klaus Friedrich meinen ersten Bissen.

Ahhh?

Und während er weiter vom Saarbrücker Schloss und dem Fürsten erzählt, habe ich eine Ahnung. Dieser Geschmack hat das Zeug eine neue Geschmackserinnerung zu werden.

Klaus Friedrich lüftet das Rätsel, warum ausgerechnet dieses „Weingebackene“ nach Barock schmeckt. Das Rezept stammt aus einem regionalen handschriftlichen Kochbuch aus dem Jahr 1769 und wurde von Gerd Steuer und seiner Frau in Zweibrücken gefunden und entschlüsselt. Beide konnten sogar Starkoch Vincent Klink für diese Rarität begeistern. Und so kam 2002 das Kochbuch Elisabethas Kochgeheimnisse, Barocke Tafelfreuden heute. Originalrezepte des 18. Jahrhunderts auf den Buchmarkt. Im Vorwort schreibt Vincent Klink dazu: „Das Buch ist eines der ganz wenigen erhaltenen bürgerlichen Kochbücher des 18. Jahrhunderts aus Deutschland mit vielen Süßspeisen und zahlreichen Fleisch – wie auch echten Luxusgerichten.“

Herr Friedrich, haben Sie etwa gebacken?

Nein, er hat „Weingebackenes“ gekauft. In Homburg. In der wunderbaren Bäckerei Glutting in der Homburger Altstadt. Die Traditionsbäckerei ist bekannt für feinste Backkunst in Handarbeit. Und da die Bäckerei Glutting an der Barockstrasse Saarpfalz liegt, kam das barocke Rezept über Klaus Friedrich in die Backstube von Thomas und Birgit Glutting. Beide führen die Bäckerei in der fünften Generation. „Weingebackenes“ gehört seit 2008 fest ins Sortiment und hat mittlerweile zahlreiche Liebhaberinnen und Liebhaber.

„Weingebackenes“ ist ein edles Mürbeteiggebäck! Auf 1 kg Mehl kommt 1 kg Butter, dazu Weißwein. Thomas Glutting bringt eine neue Ladung aus der Backstube.

Paradies für Weihnachtsgebäck

Bei meinem Besuch in der Bäckerei finde ich nicht nur das wunderbare „Weingebackene“. Ich betrete auch ein Paradies für Weihnachtsgebäck! 15 Sorten stehen zur Auswahl und alle werden nach traditionellen Rezepturen in Handarbeit hergestellt.

Pfeffernüsse! Zimtsterne! Anisplätzchen! Lebkuchen! Florentiner! Vanillekipferl, Pariser Konfekt! Lebkuchenherzen!… Und hier finde ich etliche Weihnachtsplätzchen, die Geschmachserinnerungen aus der Kindheit wachrufen.

Pfeffernüsse, wo gibt es denn so was noch!

Kleiebrötchen, auch sehr lecker!

Die Bäckerei Glutting hat in der Weihnachtszeit Montags bis Freitags von 7.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Am Samstag von 7.00 bis 14.00 Uhr.

Ach, noch eins: „Weingebackenes“ schmeckt nicht nur ausgezeichnet zu Tee und Kaffee. Auch mit einem Gläschen Weißwein lassen sich die barocken Tafelfreuden angenehm nachschmecken!

Barock schmeckt wunderbar und dieses Gebäck ist meine neue Geschmackserinnerung.

Bon Appetit!