Ester Schneider und das Keramikmuseum Villeroy & Boch in Mettlach sind für mich immer in einem Atemzug zu nennen. Seit 1993 ist sie leidenschaftliche Museumsdirektorin und kennt die Geschichte der Keramik an der Saar wie keine andere. Wir begegnen uns oft im Jahr, wenn Reisejournalisten im Saarland zu Gast sind und V&B einen Besuch abstatten. Heute darf ich aber mal die Fragen stellen.

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Wie wird man eigentlich Museumsdirektorin bei V&B? Das ist ja kein Beruf, den man irgendwo lernen kann.
Stimmt, unsere Familie ist in der 4. Generation bei V& B beschäftigt. Bei uns zuhause in Mettlach war alles von V&B: die Fliesen am Boden, das Bad, in den Schränken, auf dem Tisch… Ich bin mit Keramik groß geworden und meine Eltern haben schon Keramik gesammelt. Ich war immer schon sehr nah dran, an der Produktion und der Geschichte von V&B. Und so ist alles über die Jahre zusammengewachsen.

Das Lieblingsstück zuhause? Gibt es das?
Eine Zuckerdose und ein Milchgießer aus den 50er Jahren, das ist meine persönliche Keramik-Kindheitserinnerung!

Und im Museum? Gibt es da auch ein Lieblingsstück?
Nein, ich habe kein Lieblingsstück, aber viele Kinder, die mir im Museum sehr lieb sind. Die ganz alten Stücke auf jeden Fall, dann der Jugendstil und Art Deco. Mich interessiert vor allem die Verarbeitung und die Gestaltung.

Wieviel Stücke sind es denn?
Rund 30.000 Objekte! Und jedes habe ich mindestens zweimal in der Hand gehabt. Wir sind 1979 aus dem Gewölbekeller der Alten Abtei ausgezogen rüber nach Schloss Ziegelberg. Und im Jahr 2000 kam der Umzug in das Erlebniszentrum. Da hieß es jedes Mal Einpacken und Auspacken!

Haben Sie alle Tassen im Schrank?
Nicht immer! Aber auf jeden Fall keinen Sprung in der Schüssel!

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Wann ging es mit dem Museum los?
Mit Eugen von Boch. Er war leidenschaftlicher Sammler. Er fing Anfang der 1840er Jahre an eine keramische Universalsammlung aufzubauen. Unsere ältesten Objekte sind auf 1.000 vor Christus datiert.

Er war ja auch ein Pionier der Archäologie?
Ja. Seine Ausgrabung der keltischen Fürstengräber von Weiskirchen und die Erhaltung des Alten Turmes im Abteipark Mettlach spielen da eine ganz wesentliche Rolle. Übrigens der Fund des römischen Mosaiks in Nennig hat Eugen von Boch so begeistert, dass er beschloss, diesen Mosaikboden zu restaurieren und selbst solche Fußböden zu produzieren. So entstanden das berühmte „Mettlacher Tonstiftmosaik“ und die „Mettlacher Platten“, die in alle Welt verkauft wurden. Heute noch zu sehen im Kölner Dom oder im Bolschoitheater in Moskau. Aber auch bei uns im Treppenhaus!

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Wenn ich an V&B denke, denke ich automatisch an Tischkultur. Was heißt Tischkultur für Sie heute?
Wenn sie vorhanden ist, dann ist sie ausbaufähig! Tischkultur hat für mich etwas mit Muße und Genuss zu tun. Das schnelle Essen auf dem Sofa vor dem TV finde ich furchtbar oder ein Kaffeebecher ohne Untertasse. Bei mir kommt auch kein Marmeladenglas auf den Tisch. Ich umgebe mich gerne mit schönen Dingen, zu jedem Essen wird bei mir der Tisch gedeckt. Tischkultur hat für mich viel mit Kreativität zu tun und mit Lebensqualität.

Stichwort Kreativität! Da hat sich ja viel getan auf den Tischen.
Ja, die Servicezusammenstellung hat sich geändert. Der Konsument kann heute kreativ kombinieren. Die neuen Serien sind alle kombinierbar. Los ging das bei V&B schon in den 80er Jahren mit MIX AND MATCH. Mir gefällt die Philosophie von V&B: Tischkultur für jedermann! Das ist ja bis heute die Maxime: Schönes im guten Preis-Leistungsverhältnis.

Und die Arbeit macht Freude?
Ja, ich lerne eigentlich jeden Tag was dazu und das macht Spaß! Wir bereiten gerade eine neue Sonderausstellung vor: „Die Alte Abtei im Wandel der Zeit“. Ein wirklich spannendes Thema!

Wie ist Ihr Verhältnis zu Polterabenden?
Poltern mit Geschirr geht bei mir gar nicht! Das ist unmöglich.

Wenn man im Saarland nach alter Keramik sucht, wo findet man noch schöne Stücke?
Auf dem Keramikmarkt in Wallerfangen, jeden ersten Sonntag im Juli und dann gibt es noch den Antikmarkt der Mettlacher Steinzeugsammler, immer im Oktober.

Da kann man Sie auch treffen?
Natürlich.

Danke Frau Schneider.