Seit 22 Jahren ist Herr Thieser Gästeführer im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Ich besuche ihn heute. Er empfängt mich in der Kaffeeküche des Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Hier konnten die Hüttenarbeiter früher kostenlos Kaffee und Tee beziehen. Die Kaffeeküche war nicht – wie beispielsweise bei den Gruben – kantinenartig organisiert. Sondern der Kaffeekocher kochte in der Kaffeeküche den Kaffee oder den Tee und brachte ihn in einem Emaille Behälter zu den Arbeitern. Später erfolgte der Ausschank der Getränke durch Selbstbedienung aus Zapfhähnen an der Außenseite des Gebäudes, klärt mich Herr Thieser direkt auf. Heute ist die Kaffeküche auch ein Ort seiner Erinnerungen.

So auch in diesem Moment. Er erzählt mir, dass er ein Völklinger Junge ist. Seine Mama aus einer Hüttenfamilie stammte und sein Vater einen sehr autoritären Erziehungsstiel hatte. „Es wurde über mich entschieden. Viele Möglichkeiten gab es damals nicht, man verdiente für damalige Verhältnisse viel Geld, unter anderem wegen den vielen Stunden an der Völklinger Hütte. Oft stand auf dem Schichtzettel auf dem man eingeteilt war „Von sechs bis fertig“.

Mit 14 Jahren fing ich an mit meiner Ausbildung zum Schlosser. Meinen ersten Arbeitstag an der Völklinger Hütte hatte ich am 1. August 1950.
1958 schloss ich meine Lehre ab. Vier Jahre war ich Arbeiter in der Kranabteilung, 1958 bis 1962, später Maschinenschlosser in der Werkzeugabteilung, Weiterqualifizierung zum Handwerksmeister u.v.m. Mein Wunschberuf war eigentlich Gärtner.

In der Kranabteilung war es am härtesten. Heiße Stahlblöcke, in der Nähe von Stromleitungen. Beim Wort Kohlenmonoxidvergiftung stockt er. Seine Blicke, seine Worte zeigen auf, wie sehr das Arbeiten in der Völklinger Hütte ihn fürs Leben prägte. Wir waren schon eine verschworene Gemeinschaft. Man musste sich auf den anderen verlassen können. Sonst konnte es das Leben des anderen oder gar sein eigenes kosten.

Ob es auch schöne Momente der Erinnerung gibt?

Ja die gibt es, sagt Herr Thieser.

„Wir, die ganze Schlosserabteilung, machten uns immer auf an Vatertag.

Sehen Sie, hier sind Bilder aus dem Jahr 1956/57

Ich bin der Vierte von links.

 

Ich bin der Vierte von links. Wir trafen uns alle in Völklingen an der Hütte und fuhren mit der Bahn nach Wadgassen. Wir hatten alle einen Wanderstock und dann wanderten wir über Wald und Wiese. Auch Franzosen begleiteten uns ab und an.

Unser Essen war in einer Schatuelle sicher verpackt. Unsere Frauen backten Kuchen und so zogen wir von dannen.

Unser Ziel war meistens das Schloss Berus in Überhern. Wir hatten viel Freude.

Bis heute heute freut sich Herr Thieser auf diesen Tag. Schließlich hat er vier Töchter und ist gerne Vater.

Jeder Saarländer, so vermute ich freut sich sicherlich wieder auf den kommenden Vaddertach.

Sie strahlen meist, wenn sie ziehen von dannen!