Kultur vervielfältigt sich, wenn man sie teilt. Und genau das hat Sascha Markus im Sinn, wenn er auf seiner Facebook-Seite „Der Flaneur“ postet, was seine Heimatstadt Saarbrücken kulturell zu bieten hat. Nicht die großen Events sucht er. Vielmehr die kleinen, versteckten Veranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen, die man fast übersehen hätte. Wäre da nicht Sascha, der sie beim täglichen Flanieren und genauen Hinschauen entdeckt – und für andere sichtbar macht. Denn er informiert über das Kulturleben nicht nur in lockerem Schreibstil, sondern er stellt seinen Worten auch ungewöhnliche Fotos zur Seite, die er in einer Bildergalerie auf Instagram veröffentlicht.
Und überhaupt, „Flaneur“, was für ein wunderschönes Wort. Im Duden heißt es dazu: ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und planlos umherschweift. Hört sich ziemlich entspannt an. Zudem passt es gut zum Saarland. Also flanieren wir doch am besten gemeinsam eine Runde.

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Auf Blickfang mit dem Kultur-Entdecker

Sascha, wie wird man zum Flaneur?

Ich kam 1992 zum Studium der Informatik nach Saarbrücken. Damals hörte ich oft, dass hier nicht viel los sei. Das fand ich aber überhaupt nicht. Ich bin grundsätzlich sehr neugierig, was Kultur angeht. Darum bin ich jeder Spur nachgegangen, die mich zu Konzerten, Ausstellungen, Vernissagen und kleinen Events führte. Das lief meist über regionale Programm-Zeitschriften oder über persönliche Tipps von Bekannten. Aber vielen Künstlern und Veranstaltern fehlen die Möglichkeiten, um ein größeres Publikum zu erreichen. Das änderte sich erst mit Facebook als Infoquelle. Dort bin ich jetzt seit etwa fünf Jahren aktiv; recherchiere und poste selbst. Anfangs bin ich auf Konzerte gegangen, habe dort ein Bild gemacht und gleich auf Facebook veröffentlicht. So hatten die „Follower“ aus meinem Freundeskreis die Möglichkeit, spontan zu reagieren und noch hinzuzustoßen. Das hat sich herumgesprochen, und es kamen immer mehr Interessierte dazu, die auch Vorankündigungen zu Veranstaltungen lesen wollten. Daraus wurde schließlich meine Facebook-Seite „Der Flaneur“ mit mehreren Tausend Likes für die jeweiligen Veranstaltungen. Das Flanieren ist eigentlich ganz einfach. Je mehr man sich in der Öffentlichkeit sehen lässt, desto mehr erfährt man über seine Stadt. Deshalb gehe ich täglich spazieren, halte Augen und Ohren offen, treffe meist zufällig Leute, mit denen ich dann Infos austausche.

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Die Alte Brücke gehört zu Saarbrückens Flanier-Meile und verbindet den Stadtteil St. Johann mit Alt-Saarbrücken

Und wie bist du zum Fotografieren gekommen?

Das Hobby habe ich seit Anfang 2000. Damals habe ich mir bei Ebay meine erste Spiegelreflex-Kamera ersteigert. Zuerst habe ich Landschaften fotografiert, was mir allerdings schnell langweilig wurde. Viel interessanter fand ich es, ganz alltägliche Dinge in den Fokus zu nehmen. Seitdem trage ich, wenn es geht, mindestens eine Kamera mit mir herum. Immer mit der Frage im Kopf: Was aus der realen Welt kann ich zu einem Bild machen?

Deine Fotos auf Instagram zeigen meist ungewöhnliche Perspektiven und Details. Wie findest du deine Motive?

Beim Fotografieren bin ich ganz Autodidakt. Ich hatte zunächst viel in Büchern gelesen. Fotoästhetik, Goldener Schnitt, usw. Mit der Technik der Kamera musste ich mich natürlich auch erstmal intensiv auseinandersetzen. Danach kam viel Übung dazu. Um nicht nachzulassen, hatte ich mir selbst ein 365-Tage-Projekt auferlegt. Ich wollte jeden Tag ein neues, unverwechselbares Bild machen. Es musste nicht immer ein neues Motiv sein. Aber zumindest eine veränderte Perspektive, ein Spiel mit Licht und Schatten, Spiegelungen. So habe ich gelernt, immer Neues zu entdecken und im Bild festzuhalten. Wie bei den Kulturveranstaltungen habe ich auch meine Instagram-Seite zunächst im Freundeskreis bekannt gemacht. Die warteten nach kurzer Zeit schon gespannt auf das nächste Motiv und geizten nicht mit Feedback. Nach einer Weile fühlten sie sich richtig einbezogen in das Projekt: „Ich habe heute etwas gesehen, das hättest du gut fotografieren können“. Das motivierte mich unheimlich, weiter zu machen. So kamen pro Jahr zwischen 8.000 und 10.000 Fotos zusammen.

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Klavierkunst auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken

 

Im Tourismus haben Fotos ja einen besonderen Stellenwert. Viele Bilder sind heute „fotogeshopt“, durch unzählige Filter gezogen oder wirken inszeniert. Du zeigst mit deinen Bildern, dass es auch anders geht. Findest du, es sollte generell mehr Realität gezeigt werden?

Für mich besteht der Reiz der Fotografie darin, im Profanen etwas Ästhetisches zu finden. Das geht auch ganz ohne Inszenierung. Man muss aber dennoch unterscheiden zwischen reiner Dokumentation und Bildern, die etwas beim Betrachter bewirken sollen. Das gelingt meist schon durch die Wahl des Bildausschnitts oder zum Beispiel durch Verändern der Farbtemperatur.  Ich möchte meinen Followern auf Instagram aber in erster Linie zeigen, wie man seine Welt mit wachem und unverstelltem Blick täglich neu entdecken kann. Das funktioniert am besten, indem man einen Gang zurückschaltet und im Flanier-Modus weitergeht. Das lässt sich in Saarbrücken gut machen, da das Tempo hier ohnehin nicht so hoch ist wie in anderen großen Städten.

Was schätzt du als gebürtiger Ostwestfale besonders an deiner Wahl-Heimatstadt?

Es gibt hier einfach ein großes Kulturangebot von unheimlich enthusiastischen Akteuren. Sehr viele Leute bringen aus eigener Kraft Dinge voran ohne jegliche Unterstützung von außen. Hier gibt es eine Leidenschaft für Kultur und den Wunsch, diese zu teilen.  Ich möchte durch mein Engagement als „Flaneur“ einen Beitrag zur Unterstützung dieser Menschen in Saarbrücken leisten, indem ich ihnen dabei helfe, die Kultur zu teilen. Vielleicht springt dann meine Neugier auch auf andere über.

https://www.facebook.com/FlaneurSaarbruecken

https://www.instagram.com/saschamarkus