Über manche Dinge macht man sich keine Gedanken. Sie sind einfach da. So geht es mir mit dieser Treppe. Sie befindet sich im Keltischen Ringwall von Otzenhausen. Diesen riesigen Ringwall im nördlichen Saarland  hat ein keltischer Fürst im ersten Jahrhundert vor Christus zum Schutz um eine Siedlungsanlage bauen lassen.

Das hölzerne Rahmengerüst, das die Steinmauer einst befestigte, gibt es schon lange nicht mehr, aber die Steinmassen lassen erahnen, welch imposante Anlage hier stand. Man schätzt, dass die Mauern 20 Meter hoch und ebenso breit waren, also so hoch wie ein fünfstöckiges Gebäude. Heute misst der Wall an manchen Stellen noch bis zu 12 Metern.

Der Ringwall gehört zu den eindrucksvollsten Anlagen in Europa mit einer Gesamtfläche von 18,5 Hektar. Rund um den Ringwall kann man wunderbar wandern oder mit einem Ranger eine Erkundungstour im Nationalpark Hunsrück-Hochwald unternehmen.

So, jetzt aber zur Treppe!

Dass diese nicht von dem keltischen Fürst angelegt wurde, erklärt sich von selbst. Wie in jeder guten Geschichte muss nun ein Prinz her! In dem Fall ist es der Kronprinz Friedrich Wilhelm. Er wird später König und Deutsche Kaiser, Friedrich Wilhelm IV. Und so hat es sich zugetan: 1836 bedienten sich die Bewohner von Otzenhausen und der Umgebung der schönen Steine des Ringwalls als Baumaterial. Aus Angst ums kulturelle Erbe schrieb ein Graf Villers von Burgesch, Mitglied der „Gesellschaft für Nützliche Forschungen“ an den damaligen preußischen König Friedrich Wilhelm III und bat, den Menschen vor Ort dies zu verbieten.

Der König fackelte in der Sache nicht lange und erschien ein Jahr später persönlich auf dem „Ringwall“. Und damit der König angemessen die Festungsanlage besteigen konnte, wurde über den Nordwall eine Treppe angelegt.

Die Treppe soll sogar gepflastert worden sein, damit der Kronprinz zu Pferd über die Wallkrone reiten konnte. Der Ritt ist allerdings historisch nicht belegt.

Der königliche Besuch hatte weitreichende Folgen, die bis in die Zukunft reichen:

1. Der Ringwall von Otzenhausen wurde ein bedeutendes, geschütztes Kulturdenkmal.

2. Er wurde vor seiner Zerstörung bewahrt und

3. die Treppe ermöglicht es heute allen, nicht nur Königen, dieses imposante Denkmal zu besteigen.

Das nenne ich mal Nachhaltigkeit!

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