Die Künstlerin Katharina Krenkel startet ein neues Kunstprojekt. Ab dem 3. September begibt sie sich 25 Tage auf eine 306,3 Kilometer lange „Pilgerreise“. Sie wandert alleine im Saarland, um die eigene Lebenswirklichkeit neu zu erleben. Los geht es in ihrem saarländischen Wohnort Köllerbach. In der Tradition der Mail ART Projekte wird sie ihre Eindrücke mit gezeichneten und künstlerisch gestalteten Wanderskizzen festhalten und auf dem Postweg in das Weltkulturerbe Völklinger Hütte senden, wo die wachsende Ausstellung ab dem 5. September zu sehen sein wird. Im Reiseblog.Saarland führen wir ein Wandertagebuch und halten Euch über Katharinas Wanderung auf dem Laufenden, ab dem 3. September!

Katharina, wie bereitest Du Dich auf die Wanderung vor?

Ich jogge jeden Tag. Und ich unternehme Probewanderungen in voller Montur. Neben dem Wandern muss ich ja auch meine Kunst praktisch organisieren. Wie transportiere ich Stifte und Blätter für die Skizzen? Aber ich wälze auch geistig die Wanderung in mir hin und her: Was könnte mir passieren?

Ich packe meinen Wanderrucksack. Gesamtgewicht: 7 kg. Kompass, Wanderschuhe, Regencape, Jacke, Hut, 2 Paar Wandersocken, 2 Unterhosen, 2 T-Shirts, Halstuch, Sonnenbrille, Lesebrille, Handtuch, Taschentücher, Pflaster, Shampoo, Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Crème, Sonnencrème, Mückenmittel, Arnika, Notfalltropfen, Streichhölzer, Taschenmesser, Handy, Geld, Personalausweiß, Krankenkassenkarte, Fuchs & Hase Aufkleber, Wanderkarten, Routenkarten, Tusche, Häkelnadeln, Nähnadeln, Schere, Cutter, Edding verschiedene Stärken, Tuscheroller, verschiedene Grafit- und Bleistifte, Pinsel, Bambusfeder, Kleber, verschiedene Garne und Fäden, Papier 200g A5, Wasserflasche 1l, Thermoskanne 0,5l, 2 Müsliriegel, Dose mit Obst, Dose mit belegtem Brot, Lieblingsbuch. Foto: Rich Serra

Ich finde Dein Vorhaben ganz schön mutig. Bist Du mutig?

Ich selbst habe mich nie so wahrgenommen. Offensichtlich, rückblickend bin ich mutig. Ich vertraue in meine Kraft, mental und körperlich. Die treibende Kraft ist bei mir sicher die Neugier. Ich will immer wissen, was verbirgt sich hinter der nächsten Kurve, das finde ich spannend.

Du wanderst alleine. Warum?

Neben meinem Beruf als Bildende Künstlerin bin ich Mutter von vier Kindern und auf den Spuren von Syssiphos unterwegs im Kampf mit den Herausforderungen des Alltages. Meine älteste Tochter ist nun 22 Jahre alt und ich bin zunehmend erziehungsmüde und stelle vieles infrage. Ich freue mich auf meinen eigenen Rhythmus beim Wandern und die Zeit mit mir.  Ruhe und Alleinsein wird mehr und mehr zu meinem Thema. Da gibt es eine tiefe Sehnsucht in mir, diesen Traum von einer Saarlandwanderung umzusetzen.

Wie reagiert Deine Umwelt auf Deine Wanderung?

Ganz unterschiedlich. Die einen wollten genau das auch immer schon mal machen und möchten gerne meine Route nachwandern. Die anderen gleichen die Wanderung mit ihrer eigenen Realität ab und stellen sich vor, wie es wäre, wenn sie diesen Schritt gehen würden. Da kommen immer die Fragen: Wieviel Kilometer? Ganz alleine? Oh Gott! Aber auch die Sehnsucht, einfach die Tür hinter sich zuzuziehen und los zu gehen.

Die Wanderschuhe stehen bereit. Rein in Socken und Schuhe und dann geht es los.
Foto: Rich Serra

Warum wanderst Du im Saarland?

In erster Linie geht es mir um das Vorankommen und das Erforschen. Ich gehe einfach gerne den Dingen auf den Grund. In diesem Falle dem Saarland, dem Flecken Erde, wo ich gerne lebe und arbeite. Es muss nicht unbedingt der klassische Jacobsweg sein. Ich bin sehr gespannt auf das Wechselspiel von Industriekultur und Natur. Die Eindrücke liegen im Saarland ja sehr eng beieinander. Ich glaube nach meiner Wanderung wird das Saarland für mich riesengroß sein, mit all den Eindrücken und Erfahrungen. Dazu fällt mir ein Satz meines Lehrers Oskar Hohlweck ein: „Man muss den Rahmen enger stecken, damit man in die Tiefe gehen kann.“

Was suchst Du? Einsamkeit, Natur, Dich?

Meine erste Sehnsucht gilt der Natur, der Ruhe und dem Menschenleeren. Einsamkeit würde ich es nicht nennen. Ich suche aber auch ein Abenteuer und darin kommen dann wieder die Menschen vor: Wem werde ich begegnen? Was für Geschichten werde ich auf meiner Wanderung erfahren?

Kunst und wandern! Wie geht das zusammen?

Kunst hat viel mit Sehen, Schauen und Entdecken zu tun. Beim Wandern entwickelt sich ein Tempo, das viel Wahrnehmung und Sehen zulässt. Radfahren ist mir oft schon zu schnell. Ich komme beim Wandern sehr gut in einen Flow, den ich auch vom Zeichnen kennen. Und da kommen Kunst und Wandern dann zusammen. Was sehe ich und welche emotionalen Zustände stellen sich beim Wandern bei mir ein. Was geschieht in mir und wie fliegt dann meine Hand über das Papier? Zeichnen aus dem Sitzen heraus ist etwas total anderes. Bei der Saarlandwanderung begebe ich mich in die Klausur nach Draußen in die Natur.

Wandern, schauen und zeichnen: Katharina beim Probewandern. Foto: Rich Serra

Wir sind sehr gespannt, was Du beim Wandern im Saarland erleben wirst und freuen uns auf Deine Post von unterwegs. Wir wünschen Dir eine gute Wanderung!

https://www.voelklinger-huette.org

http://katharinakrenkel.blogspot.com/

www.wandern.saarland

Das Interview führte Susanne Renk vom Reiseblog.Saarland

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